Globale Erwärmung, Kohlendioxid-Kompensation … - Kann der Kapitalismus mit dem Problem fertig werden.?
von Pablo Roldan
20. Dezember 2007
Am 02. Februar 2007 veröffentlichte der Zwischenstaatliche Ausschuss für Klimafragen den ersten Band seines aktuellen Berichts zum Klimawechsel. Nachdem sich 1200 Klimaexperten aus 40 Ländern sechs Jahre lang mit der Überprüfung aller verfügbaren Ergebnisse der Klimaforschung beschäftigten, kamen sie zu dem Schluss, dass mit 90prozentiger Wahrscheinlichkeit die Nutzung fossiler Brennstoffe und andere menschliche Aktivitäten den Klimawandel vorantreiben.
Der Report prognostiziert, dass die weltweiten Temperaturen wahrscheinlich um 1,4 bis 5,8° Celsius steigen werden.
Am 06. April wurde in Brüssel der zweite Band des Reports veröffentlicht, der sich mit den “Auswirkungen des Klimawandels, Anpassungsmaßnahmen und Verwundbarkeiten” beschäftigt.
Die Auswirkungen des Klimawandels weisen, so der Bericht, regionale Unterschiede auf, aber in einer Gesamtdarstellung zeigt er auf, dass es selbst bei einem Temperaturanstieg von 3° Celsius zu einer Zunahme von Todesfällen durch Hitzewellen, Fluten und Trockenperioden kommen wird; in niederen Breiten wird die landwirtschaftliche Produktion zurückgehen und sich besonders für die kleinen Bauern und Fischer negativ auswirken. 30% der Tier- und Pflanzenarten könnten aussterben und mehreren Hundertmillionen Menschen droht eine Wasserknappheit.
Diejenigen, die am wenigsten in der Lage sind, sich an die neuen Gegebenheiten anzupassen, werden am schlimmsten betroffen sein. Das sind die Armen dieser Welt, egal ob sie in Burkina Faso oder in den USA leben, wo die Arbeiterklasse und die Armen in New Orleans das während des Hurrikans Katrina und vor allem danach erfahren haben.
Der Bericht schlägt zwei Maßnahmen vor, um die durch den Klimawandel hervorgerufenen Probleme in Angriff zu nehmen: Die erste besteht darin, sich praktisch an die neuen klimatischen Bedingungen anzupassen und zu versuchen die negativen Auswirkungen abzuschwächen, zum Beispiel durch den Bau von Deichen gegen das Ansteigen der Meeresspiegel oder die Verwendung von genetisch verändertem Saatgut, das weniger Wasser benötigt. Die zweite Maßnahme besteht in der Senkung des Ausstoßes von Treibhausgasen, was entweder durch die Verringerung des Verbrauchs oder die Steigerung der Energieeffektivität und die Entwicklung sauberer und erneuerbarer Energien geschehen kann.
Eine der ineffizientesten Technologien ist die klassische Glühbirne, mit der wir unsere Häuser und Straßen beleuchten. Diese Birnen haben sich in den letzten 100 Jahren kaum verändert. Es ist kein Wunder, dass nur 5% der von ihnen verwendeten Energie in Licht umgewandelt wird, der Rest wird als Wärme verschwendet.
Verschiedene westliche Regierungen wollen Schritte in die Wege leiten, um diese Lampen zu verbieten und sie durch Energiesparleuchten zu ersetzen, die drei bis sechs Mal effektiver sind und eine zehnfach höhere Lebensdauer haben.
Am 31. Januar 2007 verkündete der US-Bundesstaat Kalifornien seine Pläne die Glühlampen bis spätestens 2012 zu verbieten. Einige Wochen später folgte Australien und jetzt hat die britische Regierung versprochen, dass es bis 2011 keine konventionellen Glühbirnen im Vereinigten Königreich mehr geben soll.
Die Aufmerksamkeit, welche diesen zaghaften Maßnahmen seitens der Presse entgegengebracht wird, steht im Gegensatz zum Schweigen der Medien über Kubas erfolgreichem Vorgehen beim Austausch von Glühbirnen gegen Energiesparlampen, die den Energieverbrauch der Insel bei der Lichterzeugung um zwei Drittel reduziert hat.
Venezuela hat Kubas Erfahrung mit der Misión Energía (Energieaktion) kopiert, welche beabsichtigt, 52 Millionen Glühbirnen durch Energiesparlampen zu ersetzen, auch Nicaragua will mit Hilfe der ALBA (Bolivarische Alternative für Amerika) derartige Maßnahmen durchsetzen. Auch dies wird in den westlichen Medien mit keinem Wort erwähnt.
Das Wachstum der Luftfahrtindustrie beunruhigt alle, die sich Sorgen um die Folgen der Klimaveränderung machen und ist ein Thema, das sowohl in der Presse als auch im Fernsehen besondere Beachtung findet.
“Täglich starten circa 85.000 kommerzielle Flüge und es wird vorausgesagt, dass diese Zahl sich bis 2050 verdoppeln wird,” berichtete New Scientist am 22. Februar 2007
“Bei einem einzigen Atlantikflug werden 60.000 Liter geschluckt, mehr als ein Durchschnittsautofahrer in 50 Jahren verbraucht, dabei werden rund 140 Tonnen Kohlendioxid und 750 kg Stickoxide erzeugt. In einer Höhe von zehn Kilometern, wo die meisten Flugzeuge fliegen, wird die Ozonproduktion, die zur Erwärmung des Planeten beiträgt, verstärkt. Von zusätzlicher Bedeutung ist der Wasserdampf der entweicht und leicht Kondensstreifen und Cirruswolken bilden kann, welche die Hitze zurück zur Erde reflektieren.”
Nach Aussagen des Zwischenstaatlichen Ausschusses für Klimafragen ist die Umweltverschmutzung durch in großer Höhe fliegende Düsenflugzeuge vier Mal schädlicher als die gleiche Menge, die aus Fabrikschornsteinen und Auspuffanlagen am Boden ausgestoßen wird.
Es ist keine Überraschung, dass die CO2-Kompensationsindustrie zusammen mit der Luftfahrtindustrie eine der am schnellsten wachsenden Wirtschaftsbranchen ist; sie verspricht das Gewissen von Umweltsündern zu beruhigen, indem Bäume gepflanzt werden oder in erneuerbare Energie investiert wird, um das Kohlendioxid aus der Atmosphäre zu beseitigen.
Die Rolling Stones finanzierten zum Beispiel das Pflanzen von 2800 Bäumen auf der Isle of Skye in Schottland als Kompensation für 2.080.000 kg Kohlendioxid, die während ihrer letzten Tour durch Großbritannien produziert wurden.
Es ist in Mode gekommen, sich Sorgen über Gefahren der globalen Erwärmung zu machen, so dass die Bruderschaft der Pop- und Rockstars für eine gute Sache zu dem Entschluss gekommen ist, dass es sich lohnt, ein riesiges Weltkonzert zu machen und sie hat deshalb Life-Earth-Konerte organisiert, die sehr stark an das Live-Aid-Projekt angelehnt sind.
An der Spitze der Bewegung für das Überleben der Menschheit stehen in der Tat nicht nur Rockstars und westliche Regierungen, sondern auch Kapitalisten, besonders der “postmodernen” Spielart, die verspüren eine Rolle spielen zu müssen, um vor allem uns zu überzeugen, wie sehr wir den Kapitalismus brauchen, um gegen die globale Erwärmung zu kämpfen.
So enthüllte Richard Branson, der Besitzer der Virgin Group, letzten November seine Pläne, die gesamten Gewinne seiner Reiseunternehmen in den nächsten zehn Jahren zur Entwicklung von Benzin auf pflanzlicher Basis zu verwenden. Dafür wurde er in den Medien mit Lob überhäuft. Seltsamerweise sah aber niemand den Widerspruch zwischen seiner “Zusicherung von 3 Mrd. Pfund, um die globale Erwärmung in Angriff zu nehmen”, wie es in den Schlagzeilen des Guardian hieß und dem geplanten Raumfahrttourismus von Virgin Galactic.
“Wir müssen die Luftfahrt energieeffizienter machen”, sagte Tony Blair letztes Jahr in einem Fernsehinterview und hatte hier einmal Recht. Vorschläge, den Luftverkehr zu begrenzen und überall Bäume zu pflanzen sind für sich allein utopisch und reaktionär.
Das Problem liegt hier jedoch darin, dass die Luftfahrtindustrie mit ihrer Hochtechnologie und der enormen Kapitalakkumulation und –konzentration den Beweis dafür liefert, wie die dem Kapitalismus innewohnenden Widersprüche die kreative Entwicklung der Produktivkräfte und der Technologie behindern.
Bei dem heutigen Stand der Luftfahrtforschung, sagt Dennis Bushnell, der wissenschaftliche Leiter des NASA-Forschungszentrums in Virginia, “gibt es nicht viel zu gewinnen, außer vielleicht hier und da ein Prozent, die Karten auf diesem Gebiet sind schon ziemlich ausgereizt.”
Der wichtigste Beweggrund für die Luftfahrtforschung und die Entwicklungsinvestitionen hat immer schon darin bestanden, die Betriebskosten zu senken, das Gewicht mit Aluminiumlegierungen und Verbundstoffen zu reduzieren und die Leistungsfähigkeit der Düsenmotoren, die heute um 40% effizienter sind als in den 1960ern, zu verbessern. “Die Umstellung ist schrittweise erfolgt und jeder kleine Fortschritt war eher darauf ausgerichtet kurzfristige Gewinne einzufahren als das Ziel zu verfolgen energieeffizientere Technologien zu entwickeln. Vielmehr haben Firmenzusammenschlüsse den Wettbewerb unter den Designern abgebaut”, schreibt der Journalist Benet Davis in New Scientist. Es ist somit auch kein Wunder, dass, wie er aufzeigt, “die neuesten Modelle von Boeing und Airbus vollkommen identisch mit den in den 1950ern entwickelten Flugzeugen sind.”
Damals begann die Arbeit an der laminaren Strömungssteuerung, einer Technik, die die Leistungsfähigkeit durch die Reibung zwischen einem Flugzeug und der Luft verbessert, welche Turbulenzen erzeugt, die bis zu 40% des gesamten Luftwiderstands des Flugzeugs ausmachen. Untersuchungen, die Ende der 1970er durchgeführt wurden, hatten diese Technik soweit entwickelt, dass der Luftwiderstand um 20% gesenkt werden konnte. Diese Arbeit wurde jedoch in den 1990er eingestellt als die Energiepreise fielen.
Es scheint, als ob kein Flugzeugproduzent bereit ist, Milliarden Dollar in die Entwicklung von flugtechnischen Konzepten zu investieren, wenn sie nicht von vornherein jegliches finanzielle Risiko ausschließen und dies kann nur durch staatliche Subventionen geschehen, entweder durch Steuervergünstigungen oder durch direkte Geldsubventionen. Das bedeutet, nur wenn der Staat die Profite der Flugzeugbauer schützt, kommt es zu Durchbrüchen in der Technologie und beim Design.
Im Falle der USA werden diese Subventionen normalerweise in militärische Programme geleitet. Die US-Luftwaffe und Boeing arbeiten derzeit an einem 15-Milliarden-Dollar-Projekt zur Entwicklung eines Nurflügelflugzeugs zusammen, ein Konzept, das auf einem Design der Flugzeugfirma Northrop aus den 1940ern basiert, welches theoretisch um rund 25% energieeffizienter ist als konventionelle Flugzeuge, obwohl das Parallelprogramm für die zivile Luftfahrt wegen des konservativen Charakters seines Designs wesentlich weniger ergiebig sein wird.
Wir haben es hier wieder einmal mit einem anschaulichen Beispiel zu tun, das die grundlegenden Widersprüche des kapitalistischen Systems in der Periode seines Verfalls aufzeigt, welches die kreativsten Köpfe und die Technologie, von deren Entwicklung das Schicksal der Menschheit und der Welt abhängt, in Fesseln legt.
Obwohl sich der Kapitalismus mit Begriffen wie Markteffizienz und Privatinitiative brüstet, so ist doch augenscheinlich, dass der Kapitalismus eher ein System ist, das durch Geldgier, Kurzsichtigkeit und dem Mangel an Initiative seitens der Kapitalisten dominiert wird.
In den letzten Jahren ist es zum Allgemeinplatz geworden über den Rückzug des Staates zu sprechen, davon kann jedoch keine Rede sein. Es ist wahr und einschneidend, dass viele soziale Errungenschaften der Arbeiterklasse innerhalb des bürgerlichen Staates von der Bourgeoisie rücksichtslos angegriffen und beseitigt worden sind, aber gleichzeitig hat die Bourgeoisie – wo sie es für vorteilhaft hält –die Rolle des Staates für ihre Klasseninteressen ausgeweitet. Steuererleichterungen, Subventionen, Privatisierungen und zunehmende Repressionen sind dafür ein Indiz.
Es gibt nur eine Antwort auf die Angriffe auf die Rechte und Lebensbedingungen der ArbeiterInnen und auf die Bedrohungen, die durch den Klimawandel entstanden sind, diese Antwort heißt: Die revolutionäre Umgestaltung der Gesellschaft auf der Basis eines sozialistischen Systems. Schließt Euch der Internationalen Marxistischen Tendenz an, um für den Sozialismus zu kämpfen!