Archiv für März 2008

26
Mär

dalai lama - die gunst der stunde teil 2

Mönchischer Terror auf dem Dach der Welt Teil 2: Krawalle im Vorfeld der Olympischen Spiele

Von Colin Goldner

Nichts kann China im Vorfeld der Olympischen Spiele weniger gebrauchen als schlechte Presse. Grund genug für den Dalai Lama, nach Kräften für ebensolche zu sorgen. Ende September letzten Jahres empfing er an seinem »Exilregierungssitz« im nordindischen Dharamsala hochrangige Vertreter der deutschsprachigen Minderheit Norditaliens (»Südtiroler«), die ihn über Mittel und Methoden erfolgreicher deutscher »Volkgruppen«-Politik unterrichteten. Schon bei seinem Besuch in Bolzano im Sommer 2005 hatte er erklärt, es habe »Südtirol für Tibet durchaus Vorbildcharakter«. Bekanntlich wurde die »Südtirol-Autonomie« in den 1960ern durch terroristische Anschläge herbeigebombt.

Motiviert durch die Südtiroler Delegation und mit ausdrücklicher Billigung des Dalai Lama wurde wenig später ein exiltibetischer Kampfverband gegründet – zusammengesetzt aus Mitgliedern des militanten »Tibetan Youth Congress«, der nicht weniger militanten »Gu-Chu-Sum Ex-Political Prisoners’ Association« und dreier weiterer Organisationen -, dessen Ziel, eigenen Angaben zufolge, darin besteht, »direkte Aktionen« durchzuführen, »um Chinas illegale und brutale Besetzung unseres Landes zu beenden«. »Die Olympischen Spiele«, so der am 4. Januar 2008 offiziell als »Tibetan People’s Uprising Movement«, kurz: TPUM, ausgerufene Verband, »werden den Höhepunkt von fast 50 Jahren tibetischen Widerstandes im Exil markieren. Wir werden diesen historischen Moment dazu nutzen, Chinas Kontrolle über Tibet zu erschüttern.« Daß es dabei auch und in erster Linie um gewaltsame Aktionen gehen sollte, stand von vornherein fest. Schon Ende der 1980er hatte eine exiltibetische Untergrundorganisation mit der Parole »Chinesische Häuser anzünden: Sabotage« für Panik unter chinesischen Siedlern gesorgt. Im Internet kursierten unmittelbar nach Bekanntwerden der TPUM-Erklärung erste Gerüchte über geplante Sabotageakte, Terroranschläge und Attentate.

Die TPUM-Hauptforderungen lauten: 1. bedingungslose Rückkehr Seiner Heiligkeit des Dalai Lama nach Tibet an seinen rechtmäßigen Platz als Führer des tibetischen Volkes; 2. sofortiger Abbau der chinesischen Kolonialherrschaft; 3. umgehende Freilassung sämtlicher politischer Gefangenen in Tibet. Im übrigen verlange »das tibetische Volk«, daß »das Internationale Olympische Komitee die Olympischen Spiele 2008 in Beijing unverzüglich absagt«. Schon auf einer vor Jahresfrist in Brüssel veranstalteten »International Tibet Support Groups Conference«, zu der die FDP-nahe Friedrich-Naumann-Stiftung eingeladen hatte, wurden die »Chancen für ein wirklich autonomes Tibet« ausgelotet, die sich mit den Olympischen Spielen im kommenden Jahr böten. Im Herbst 2007 lud der »Tibet-Gesprächskreis im Deutschen Bundestag« zu einer Talkrunde »Tibet und Olympia« ein. Die Diskussion drehte sich laut Veranstaltungsbericht »hauptsächlich um die Frage, ob die Olympischen Spiele einen Hebel bieten, mit dem die Tibetpolitik Chinas beeinflußt werden kann«.

Brandbomben in Krankenhäuser

Der Dalai Lama selbst ließ keine Gelegenheit ungenutzt, die angeblich »erneut zunehmende Unterdrückung des tibetischen Volkes« anzuprangern und damit die offen gewaltbereite Stimmung innerhalb des TPUM-Kampfverbandes anzuheizen. In seiner traditionellen Rede zum »Jahrestag des Volksaufstandes von 1959« am 11. März 2008 behauptete er wahrheitswidrig, die Chinesen machten sich fortgesetzt »zahlreicher, unvorstellbarer und grausamer Menschenrechtsverletzungen« in Tibet schuldig. Noch am selben Tag kam es in der nepalischen Hauptstadt Kathmandu zu gewalttätigen Ausschreitungen: mehr als 200 Mönche versuchten, die chinesische Botschaft im Stadtzentrum anzugreifen. Zeitgleich wurde von Dharamsala aus ein von langer Hand vorbereiteter Protestmarsch nach Lhasa auf den Weg gebracht. Der Marsch wurde allerdings nach wenigen Kilometern von indischer Polizei aufgelöst. Weitere TPUM-dirigierte Protestaktionen fanden in Neu-Delhi, San Francisco, New York, Marseille, Wien und andernorts statt, auch vor der Ausgrabungsstätte des historischen Olympia in Griechenland. Die Mehrzahl dieser Aktionen verlief friedlich.

Alles andere als friedlich verlief der Protest hingegen in Lhasa: Mit Schlagstöcken bewaffnete Mönchstrupps aus dem Kloster Drepung zogen am Abend des 11. März marodierend durch die Altstadt, skandierten antichinesische Parolen und schlugen Fensterscheiben von Häusern und Ladengeschäften ein. Die Polizei ging konsequent gegen den Rotkuttenmob vor und nahm zahlreiche Verhaftungen vor. Die gezielt provozierten Zusammenstöße der Drepung-Mönche mit der Polizei ließen die Gewalt auf die beiden anderen Großklöster des Lhasa-Tales und weitere Teile der Stadt überspringen: Polizei- und Feuerwehrfahrzeuge, aber auch öffentliche Busse und Privatautos wurden umgeworfen und angezündet, chinesische Häuser und Ladengeschäfte aufgebrochen, geplündert und in Brand gesteckt. Ganze Straßenzüge wurden verwüstet, Molotowcocktails flogen in Schulen, Kindergärten und Krankenhäuser. Kursierende Gerüchte über den Opferselbstmord zweier Lamas ließen die Situation weiter eskalieren: Außer Rand und Band geratenene Mönchshorden brachen blutige Straßenkämpfe vom Zaun, an denen sich zunehmend auch entsprechend aufgepeitschte Jugendliche beteiligten. Es gab zahlreiche teils schwer Verletzte sowohl auf tibetischer als auch auf chinesischer Seite. Noch bevor nähere Informationen vorlagen, wurde von Tibet-Unterstützergruppen weltweit die chinesische Führung für den Ausbruch der Gewalt verantwortlich gemacht. Die Rede war vom »berechtigten und absolut friedfertigen Protest des tibetischen Volkes«, der von chinesischem Militär zusammengeknüppelt und niedergeschossen worden sei. Mehr als 100 Tibeter seien seit Beginn der Unruhen zu Tode gekommen. Gegen die ungeheure Brutalität der Chinesen habe es vereinzelte Gegenwehr gegeben, was die Bilder um sich schlagender Mönche und steinewerfender Jugendlicher erkläre.

In zahlreichen Ländern des Westens wurden »spontane« Solidaritätskundgebungen für den »tibetischen Freiheitskampf« veranstaltet. Auch die Tibet-Initiative Deutschland organisierte umgehend bundesweite Demonstrationszüge und Mahnwachen. US-Präsident Bush und Kanzlerin Merkel forderten Beijing zu sofortiger Einstellung aller Kampfhandlungen und zu umgehenden Gesprächen mit dem Dalai Lama als »spirituellem Oberhaupt der Tibeter« auf, der als einziger die »Tibetfrage« zu lösen imstande sei. Die tatsächliche Rolle des Dalai Lama, der mit seiner Rede zum 11. März die Lunte ans Pulverfaß des TPUM-Terrors gelegt hatte – auch an anderen Orten der Autonomen Region Tibet und in den Nachbarprovinzen Sichuan, Qinghai und Gansu kam es zu gezielten Übergriffen gegen Sicherheitskräfte und die chinesische Zivilbevölkerung –, wurde konsequent ausgeblendet. Desgleichen der Umstand, daß es sich keineswegs um einen »Volksaufstand« handelte, wie Dharamsala in steter Regelmäßigkeit wiederholte, sondern daß die Verwüstungen und Gewaltakte von relativ kleinen Tätergruppen verübt worden waren, die keineswegs Rückhalt in der tibetischen Bevölkerung fanden. Unerwähnt blieb auch, daß es neben dem Dalai Lama eine Vielzahl weiterer buddhistisch-religiöser Oberhäupter in Tibet und den Nachbarprovinzen gibt, die dessen Kurs nicht mittragen.

Die öffentliche Ordnung in Lhasa wurde durch massive Präsenz von Polizei und Militär auf den Straßen wiederhergestellt. Offiziellen Angaben zufolge gab es im Zuge der über mehrere Tage hinweg immer wieder auflodernden Ausschreitungen zehn Tote: Opfer vor allem der Brandbombenanschläge auf chinesische Häuser und Läden; ein junger Chinese wurde auf offener Straße totgeprügelt, ein anderer erstochen. Die Zahl der Verletzten lag bei über 600. Auch an den anderen Orten, an denen Protestkundgebungen und »direct actions« stattfanden, gab es Schwerverletzte und Tote. Wie die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua mitteilte, seien insgesamt 22 Menschen zu Tode gekommen. Behauptungen des Dalai Lama, chinesisches Militär habe mehrfach in die Menge geschossen, wobei »mehrere hundert Tibeter getötetet« worden seien, waren völlig aus der Luft gegriffen, waren aber dazu angetan, die Lage weiter anzuheizen. In zahlreichen Städten rund um den Globus verschärften sich die Proteste der örtlichen Tibeter-Vereine und Tibet-Unterstützergruppen: in Sydney, Zürich und München kam es zu massiven Zusammenstößen zwischen Ordnungskräften und Pro-Tibet-Aktivisten.

Gleichschaltung

Der Dalai Lama und seine Verlautbarungsorgane setzten ihre Lügenpropaganda systematisch fort. In den bürgerlichen Westmedien wurden die frei Haus gelieferten Behauptungen aus Dharamsala ohne die geringste journalistische Distanz oder Gegenrecherche weiterverbreitet: von der »unmenschlichen Brutalität der chinesischen Machthaber«, den »grausamen Menschenrechtsverletzungen«, dem »Völkermord auf dem Dach der Welt«. Die bundesdeutschen Medien – offenbar hatte man noch den selbstangestimmten Jubel um den Hamburg-Besuch »Seiner Heiligkeit« im vergangenen Herbst im Ohr – erschienen komplett gleichgeschaltet: nirgendwo fand sich auch nur der leiseste Anflug von Kritik an der von Tibetern verübten Gewalt. Selbst im öffentlich-rechtlichen Fernsehen wurden die blindwütigen Horden junger Tibeter, die da randalierend, plündernd und Brände legend durch die Straßen zogen und auf jeden einprügelten, der nicht tibetisch genug aussah, als im Grunde friedliche Demonstranten dargestellt, die von einer brutalen Militärdiktatur an der Ausübung elementarster Rechte gehindert würden. Verfügbares Bildmaterial wurde entweder gar nicht gezeigt oder manipuliert bzw. mit falschen oder irreführenden Kommentaren versehen: Die Berliner Morgenpost beispielsweise drehte ihrer Leserschaft in der Ausgabe vom 16.3. ein Reuters-Foto als Szene der Verhaftung eines »Aufständischen« an, der »während der Revolte in Tibets Hauptstadt Lhasa von Sicherheitsbehörden abgeführt« worden sei. Tatsächlich zeigt das Bild einen verletzten Chinesen, der von einem Sanitäter in roter Helferuniform und einer weiteren Person in Zivilkleidung in Sicherheit gebracht wird. Nach massiver öffentlicher Kritik ruderte die Berliner Morgenpost halbherzig zurück: das Bild stamme aus einem Bericht des chinesischen Staatssenders CCTV, aus dem die Fotoagentur Reuters Standbilder entnommen und verbreitet habe. Reuters habe das Bild mit der Unterschrift versehen, hier werde ein Mann »eskortiert«. Von einem »Aufständischen« war indes bei Reuters ebensowenig die Rede wie von »Sicherheitsbehörden«, die diesen »abgeführt« hätten.Was soll’s, so die Berliner Morgenpost im Verweis darauf, daß auch die Fotoagentur AFP das Bild falsch beschriftet hatte: »Eine absolute Wahrheit gibt es nicht«. Eine journalistische Sorgfaltspflicht offenbar auch nicht. Der Nachrichtensender n-tv strahlte ein Video aus, in dem mit Schlagstöcken bewaffnete Ordnungskräfte bei einem Einsatz zu sehen sind, und suggerierte, es handle sich dabei um chinesisches Militär, das in Lhasa auf friedliche Tibeter einprügelt. Nur: die Bilder stammten gar nicht aus Lhasa, vielmehr zeigten sie nepalische Polizei, die gegen Randalierer in Kathmandu vorging. Auch auf RTL wurden die Szenen aus Kathmandu als Szenen aus Lhasa verkauft; desgleichen in der Bild-Zeitung, in der unter der Überschrift »Hunderte Tote bei schweren Unruhen in Tibet« ein Standfoto aus dem Kathmandu-Video zu sehen war. Den Höhepunkt verzerrender Berichterstattung lieferte indes das Internetportal der Hamburger Wochenzeitung Die Zeit mit einem Foto zweier chinesischer Armeefahrzeuge, von dem eine auf dem Original zu sehende Rotte steinewerfender Tibeter einfach weggeschnitten war. »Wer wird die Wahrheit über das Ausmaß der Repression nachweisen?« so Die Zeit (20.3.) in einem journalistischem Offenbarungseid, »jedenfalls nicht die Medien, weder die staatlich zensierten in China noch die freien westlichen«.

Nur sofortige und spürbare Sanktionen der »freien Welt«, so die einhellig propagierte Auffassung westlicher Kommentatoren, könnten die Chinesen in die Schranken weisen. Während in den Medien vor allem von verschärftem diplomatischem Druck die Rede war, der auf Beijing ausgeübt werden müsse – ein von Pro-Tibet-Gruppen verlangter Boykott der Olympischen Spiele wurde durchgehend ausgeschlossen –, brach sich in den Foren, Blogs und Chatrooms des World Wide Web eine abenteuerliche Mischung aus Gutmenschentum und jahrzehntelang gezüchtetem antichinesischem Ressentiment ihre Bahn: in Tausenden meist ebenso ignoranter wie selbstgerechter Einträge wurde neben konsequenter Konsumverweigerung chinesischer Exporterzeugnisse die demonstrative Nichtteilnahme an den »Völkermörder-Spielen« in Beijing gefordert: Es sei die »verdammte Pflicht und Schuldigkeit« des Westens, die chinesische Militärdiktatur zur Räson zu bringen, und das am besten über Schwächung ihrer Wirtschaft. Auch von der Erfordernis gezielter Sabotage war die Rede: Vielfach wurden die Spiele 2008 mit den Nazi-Spielen 1936 in Vergleich gesetzt, deren internationaler Boykott womöglich den Zweiten Weltkrieg verhindert hätte. Pro-Tibet-Aktivist Richard Gere schwang sich zum Wortführer einer »Boycott Beijing Olympics 2008«-Bewegung auf, der sich hiesige Moralprediger, Claudia Roth erwartungsgemäß vorneweg, postwendend anschlossen. Auch der Wiesbadener Moralexperte Roland Koch erwog eine Boykottempfehlung.

Historischer Freiheitskampf?

In zahllosen WWW-Postings wurde Verständnis und Sympathie für die – letztlich unabstreitbar von tibetischer Seite ausgehende – Gewalt geäußert, die, umstilisiert zum »heroischen Befeiungskampf eines seit 50 Jahren gnadenlos unterdrückten Volkes«, jede Unterstützung der »freien Welt« verdiene. Schuld an den Ausschreitungen trüge allemal Beijing, den Tibetern sei gar keine andere Wahl geblieben, als sich mit Gewalt zur Wehr zu setzen, was sie nun endlich täten. Wenn es dabei gelegentlich zu Gewaltexzessen komme, sei dies durchaus nachvollziehbar: Es entlade sich nur der »über Jahrzehnte aufgestaute Haß gegen die chinesischen Besatzer«. Bei YouTube eingestellte Handyvideos von Touristen, die den blanken Terror in Lhasa, Ngawa (Sichuan), Xiahe (Gansu) und andernorts dokumentierten, wurden in kürzester Zeit millionenfach angeklickt und mit Hunderttausenden von mehrheitlich protibetischen Kommentaren versehen. Alle Welt sprach von Tibet und seinem »verzweifelten Kampf um Freiheit«. Auch die westlichen Printmedien und TV-Nachrichten verlagerten sich zunehmend auf die Argumentationslinie, die Ausschreitungen seien zwar zu verurteilen, letztlich aber vor dem Hintergrund der jahrzehntelangen Unterdrückungspolitik Beijings verständlich und als »Ausdruck der Verzweiflung« (NZZ) oder »Schrei nach Freiheit« (Tagesspiegel) vielleicht sogar legitim.

Die TPUM-Strategie war voll aufgegangen, den »historischen Moment der Olympischen Spiele« zu nutzen, um über gezielt eingesetzte Gewalt »Chinas Kontrolle über Tibet zu erschüttern«. Die Springer-Presse (Welt) kommentierte den Straßenterror der TPUM in durchaus anerkennendem Unterton: »Die Palästinenser haben ihren Fall in den 60er- und 70er-Jahren vor allem mit Flugzeugentführungen und Terroranschlägen auf die internationale Agenda gesetzt. Auch die Protestanten in Nordirland haben gezeigt, daß Terror funktioniert. Es ist schwer vorstellbar, daß sie es ohne die Anschläge der IRA bis zur Beteiligung an der nordirischen Regierung gebracht hätten. Im Vergleich dazu hat sich die Lage der Tibeter eher verschlechtert als verbessert. Die Lehren, die Unabhängigkeitsbewegungen daraus ziehen werden, sind klar: Nur wenn man sich mit terroristischer Gewalt auf die Weltbühne bombt, wird man irgendwann als politischer Verhandlungspartner akzeptiert.«

Unterdessen konnte der Dalai Lama sich zurücklehnen und verkünden, China habe »als das größte Land der Welt ein Anrecht auf die Olympiade«. Die olympischen Regeln verlangten aber, daß im Gastgeberland der Spiele die Menschenrechte eingehalten würden. Da dies in China nicht der Fall sei, habe Beijing eben doch kein Anrecht. Eine Woche nach seiner Brandrede vom 11. März kehrte er zu seiner geübten Rhetorik des Gewaltverzichts und der Friedfertigkeit zurück: In einer Fernsehansprache appellierte er an seine Landsleute, sich bei weiterem Protest »exzessiver Gewalt« zu enthalten, ansonsten sehe er sich zum Rücktritt von seinem Amte genötigt. Der Appell erzielte den beabsichtigten Effekt: »Seine Heiligkeit« war, zumindest in den Westmedien, schlagartig von jedem Verdachte reingewaschen –das chinesische Staatsfernsehen hatte ihn folgerichtig als »Wolf im Mönchsgewand« bezeichnet –, er selbst und seine Clique seien Drahtzieher der Ausschreitungen gewesen. Gegen die fortdauernde Gewalt bewirkte der Aufruf gar nichts. Kurze Zeit wurde die Rücktrittsdrohung zurückgenommen: Selbstredend, so sein Pressesprecher, bleibe der Dalai Lama seinem Volke als »geistlicher und politischer Führer« erhalten.

Wie unter Religionsführern üblich, war und ist ein Rücktritt vom Amte des Dalai Lama ohnehin nicht vorgesehen, weder aus politischen noch aus Altersgründen. Seit Jahren schon verkündet indes der aktuelle 14. Amtsinhaber zu jedem sich bietenden Anlaß, er wolle in einem künftigen »freien Tibet« keinerlei politische Funktion mehr ausüben. Vielmehr beabsichtige er, eine demokratische Verfassung zu implementieren: »Das tibetische Volk muß wieder (sic!) die Freiheit erhalten, von grundlegenden demokratischen Rechten Gebrauch zu machen.« Wie der exiltibetische Sozialwissenschaftler Dawa Norbu schrieb, verwende der Dalai Lama den Begriff Demokratie immer da, wo er tatsächlich Populismus und Demagogie meine. Selbst nach fast fünfzig Jahren im Exil habe er es über eine demokratisch aufgeputzte Fassade nicht hinausgebracht. Bezeichnend ist insofern, daß der vormalige »Gottkönig« sich bis heute noch nicht einmal innnerhalb der exiltibetischen Kommunen und letztlich noch nicht einmal innerhalb seiner »Exilregierung« in Dharamsala demokratisch hat legitimieren lassen. Eine Volksabstimmung, wie er sie immer wieder für den großtibetischen Siedlungsraum fordert, hat er für die Exilgemeinden, in denen eine solche relativ leicht durchgeführt werden könnte, noch nie gefordert. Die »Wahlen«, die er regelmäßig für das »exiltibetische Parlament« durchführen läßt, sind reine Augenwischerei: Das »Parlament« hat gegen ihn nichts zu melden und darf sich bestenfalls mit administrativen Aufgaben beschäftigen.

Zeit bliebe dem Ex-Gottkönig genug, sein Demokratieverständnis zu erweitern: Laut Auswertung seiner astrologischen Tabellen werde er ein Alter von 142 Jahren erreichen, also im Jahre 2077 seine gegenwärtige Inkarnation verlassen. Seine eigenen Traumgesichte, wie er verlautbart, stünden hierzu allerdings in Widerspruch: diesen zufolge werde er bereits im Alter von 113 Jahren, also im Jahre 2048, von der weltlichen Bühne abtreten. Indes sei auch seine Wiedergeburt bereits beschlossene Sache. Er werde definitiv als 15. Dalai Lama wiederkehren – ob nun reinkarniert als Kind einer (exil)tibetischen Familie oder remanifestiert in einem hochrangigen Mönch seines engsten Umfeldes, der nach »vatikanischem Modell« aus diesem Umfeld heraus »gewählt« bzw. »erkannt« werden könnte, stehe allerdings noch nicht fest. In letzterer Option, so die Überlegung, ließe sich das 20jährige Interregnum bis zur Machtübernahme einer als Kleinkind entdeckten Wiedergeburt umgehen, was die Hoffnung der Chinesen durchkreuze, mit seinem Tod gebe es über längere Zeit hinweg keinen amtierenden Dalai Lama mehr. Auch die Möglichkeit, testamentarisch einen Nachfolger zu bestimmen, wird erörtert; es könne dies, wie die aktuelle Inkarnation bei jeder Gelegenheit dahergackert, gar ein weiblicher Nachfolger sein: »A female Dalai Lama? Hahahahihi, why not?«

Colin Goldner ist Autor des Standardwerkes »Dalai Lama: Fall eines Gottkönigs«, das Ende April in aktualisierter und erweiterter Neuauflage im Alibri-Verlag Aschaffenburg erscheint (ISBN 978-3-865-69021-0, brosch., ca. 32 Euro)
25
Mär

dalai lama - Ahnungslose Schwärmerei teil 1

Mönchischer Terror auf dem Dach der Welt. Teil 1

Die Begeisterung für den Dalai Lama und den tibetischen Buddhismus

Von Colin Goldner

Zwischen drei- und fünfhunderttausend Anhänger soll der Buddhismus seit Anfang der 1990er Jahre allein im deutschsprachigen Raum gefunden haben. Vor allem in ihrer tibetischen Variante scheint die »Lehre des Buddha« dem aktuellen Zeitgeist sehr zu entsprechen: Die Zahl der Sympathisanten für den sogenannten Vajrayana-Buddhismus, als dessen Oberhaupt der Dalai Lama firmiert, geht in die Millionen. Wesentlicher Grund hierfür ist die Dauerpräsenz »Seiner Heiligkeit« in den Boulevard- und Yellow-Press-Medien, über die das Interesse an »östlicher Spiritualität« bedient und ständig erweitert wird.Vor allem innerhalb der Esoterik- und Psychoszene gilt tibetischer Buddhismus bzw. das, was man davon weiß oder dafür hält, als übergeordnete »spirituelle Leitlinie«. Ernsthafte Auseinandersetzung gibt es in dieser Szene freilich nicht, die oberflächliche Kenntnis von ein paar Begriffen und ein »Gefühl« für die Sache reichen völlig aus, sich »zugehörig« vorzukommen. Vielfach versteht man sich dann schon als »engagierter Buddhist«, wenn man einen »Free-Tibet«-Aufkleber auf dem Kofferraumdeckel spazierenfährt

Für viele steht und fällt die Begeisterung für tibetischen Buddhismus in der Tat mit der Figur des Dalai Lama. Das weltweit hohe Ansehen, das »Seine Heiligkeit« quer durch sämtliche politischen und weltanschaulichen Lager genießt, ist trotz aller Kritik, die seit geraumer Zeit gegen ihn vorgebracht wird – von seinen freundschaftlichen Kontakten zu alten und neuen Nazis hin zu seinen eklatant frauen- und homosexuellenfeindlichen Positionen –, völlig ungebrochen. Nach wie vor gilt er als Symbolfigur für Friedfertigkeit, Güte und in unendlicher Weisheit ruhende Gelassenheit. Seine Verlautbarungen gelten als Wahrheit schlechthin. Derlei verklärende Sicht auf den Dalai Lama ebenso wie auf das »alte Tibet«, das dieser repräsentiert, basiert wesentlich auf eklatanter Unkenntnis der tatsächlichen Gegebenheiten.

Shangri-La?

Das Bild des »alten Tibet«, wie es, verbreitet über unzählige Bücher und Schriften, heute im Westen geläufig ist, zeigt das eines Paradieses auf Erden – des mythischen Shangri-La –, das den Menschen ein glückliches und zufriedenes Leben in Einklang mit sich selbst, mit der Natur und den Göttern zu führen erlaubt habe. Laut Dalai Lama sei dies dem fortwährenden Einfluß des Buddhismus zu verdanken gewesen, durch den eine »Gesellschaft des Friedens und der Harmonie« entstanden sei.

Die moderne Geschichtsschreibung weiß indes längst, daß Tibet bis zur Invasion der Chinesen keineswegs die paradiesische Gesellschaft war, die der Dalai Lama ständig beschwört. Für die große Masse der Bevölkerung war das »alte Tibet« tatsächlich eben jene »Hölle auf Erden«, von der in der chinesischen Propaganda immer die Rede ist; das tibetische Volk aus diesem Elend zu befreien, wurde beim Einmarsch von 1950 als Legitimation und revolutionäre Verpflichtung angesehen.

Die herrschende Mönchselite beutete Land und Menschen mit Hilfe eines weitverzweigten Netzes von Klostereinrichtungen und monastischen Zwingburgen gnadenlos aus. Der relativ kleinen Ausbeuterschicht – ein bis eineinhalb Prozent – stand die Mehrheit der Bevölkerung als »Leibeigene« beziehungsweise »unfreie Bauern« gegenüber. Die Steuer- und Abgabenlasten, die diesen Menschen aufgebürdet wurden, drückten sie unter die Möglichkeit menschenwürdiger Existenz. Bitterste Armut und Hunger durchherrschten den Alltag in Tibet. Es gab außerhalb der Klöster keinerlei Bildungs-, Gesundheits- oder Hygieneeinrichtungen. Privilegierte beziehungsweise benachteiligte Lebensumstände wurden erklärt und gerechtfertigt durch die buddhistische Karmalehre, derzufolge das gegenwärtige Leben sich allemal als Ergebnis angesammelten Verdienstes respektive aufgehäufter Schuld früherer Leben darstelle.

Das tibetische Strafrecht zeichnete sich durch extreme Grausamkeit aus. Zu den bis weit in das 20. Jahrhundert hinein üblichen Strafmaßnahmen zählten öffentliche Auspeitschung, das Abschneiden von Gliedmaßen, Herausreißen der Zungen, das Abziehen der Haut bei lebendigem Leibe und dergleichen.

Revolutionäre Verpflichtung

Der theokratische Feudalismus Tibets bestand in seiner bis 1950 herrschenden Form seit Mitte des 17. Jahrhunderts, als es der militanten buddhististischen Sekte der Gelbmützen mit Hilfe der Mongolen gelungen war, sämtliche innenpolitischen Gegner auszuschalten. Der seinerzeitige Anführer der Gelbmützensekte, bekannt als der »Große Fünfte Dalai Lama«, erklärte sich in der Folge zur höchsten geistlichen und weltlichen Autorität des Landes. Obwohl Tibet 1720 dem Militärprotektorat der Mandschu zugeordnet wurde und ab 1793 vollends zum Vasallenstaat Chinas geworden war, behielt das Regime der Lamas nach innen uneingeschränkte Macht.

Solange der chinesische Kaiserhof über die erforderliche Stärke verfügt hatte, war China – einschließlich seines tibetischen Protektorats – vom Rest der Welt fast vollständig abgeschottet geblieben. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts drängten indes mit England und Frankreich militärisch hochgerüstete Westmächte in den ostasiatischen Raum, deren aggressivem Zangengriff das alte China wenig entgegenzusetzen hatte; das Mandschu-Reich zerbröckelte rapide. Durch die Niederlage Beijings im chinesisch-japanischen Krieg von 1894 wurde der Zerfall des Mandschu-Reiches weiter vorangetrieben. Mit der formalen Abdankung Pu-Yis, des letzten chinesischen Kaisers, im Februar 1912 war es endgültig zerbrochen.

Am 14. Februar 1913, so zumindest wird der Sachverhalt kolportiert, habe der seinerzeitige 13. Dalai Lama die Unabhängigkeit Tibets verkündet. Unbeeindruckt von dieser »Proklamation« beharrte die neue republikanische Regierung Chinas auf ihrem – sozusagen aus dem Kaiserreich ererbten – Hoheitsanspruch. Die völkerrechtlich relevante Frage, ob Tibet zwischen 1913 und 1951 einen eigenständigen und unabhängigen Staat darstellte oder nicht – es ist diese Frage in Hinblick auf die Rechtmäßigkeit der chinesischen Invasion von 1950 von entscheidender Bedeutung – läßt sich nicht mit letzter Sicherheit klären. Die UNO, die als einzige Körperschaft solche Klärung vornehmen könnte, hat sich der Frage tibetischer Souveränität zu keinem Zeitpunkt angenommen.

Neben dem aus der Geschichte hergeleiteten Selbstverständnis der Volksrepublik China, demzufolge Tibet seit jeher – spätestens seit 1720 – als untrennbarer Bestandteil des chinesischen Territoriums gilt, wird der Einmarsch von 1950 noch durch weitere Faktoren legitimiert; deren entscheidender war der Anspruch, das tibetische Volk von einem doppelten Joch zu befreien: zum einen aus dem imperialistischer Machtansprüche vor allem Großbritanniens und der USA, zum anderen aus dem der feudalistischen Leibeigenschaft einer Ausbeuterclique aus Adel und Gelbmützen-Klerus. Die »Befreiung« Tibets war für die Truppen Maos nicht nur logische Konsequenz, sondern revolutionäre Verpflichtung gewesen.

Ab Mitte der 1950er Jahre wurde in Tibet mit Hilfe der CIA ein großangelegter Untergrundkampf gegen die Chinesen geführt. Zwei der Brüder des Dalai Lama organisierten von Indien beziehungsweise den USA aus den Guerillakrieg. Im Frühjahr 1959 verließ der Dalai Lama selbst – von langer Hand und mit Hilfe der CIA vorbereitet – Lhasa und begab sich ins indische Exil. Es folgten ihm bis Ende des Jahres rund 30000 Tibeter, bis heute haben rund 120000 Tibeter ihren Wohnsitz im Ausland genommen.

Die insbesondere im Zuge der Kulturrevolution in den 1960er Jahren von der Volksbefreiungsarmee in Tibet verübten Gewalt- und Zerstörungsakte sind durch nichts zu rechtfertigen und zu entschuldigen. Gleichwohl ist den exil­tibetischen Verlautbarungen und denen der internationalen Tibet-Unterstützerszene prinzipiell zu mißtrauen: Sie sind, sofern sie nicht völlig aus der Luft gegriffen sind, in der Regel heillos übertrieben oder beziehen sich auf längst nicht mehr aktuelles Geschehen. Die Behauptung der Exilregierung des Dalai Lama, das »tägliche Leben der Tibeter im eigenen Land« sei bestimmt durch »Folter, psychischen Terror, Diskriminierung und eine totale Mißachtung der Menschenwürde« ist reine Propaganda zur Sammlung von Sympathiepunkten beziehungsweise Spendengeldern; es spiegeln solche Anwürfe nicht die gegenwärtige Realität Tibets wider. Auch die Anwürfe von Zwangsabtreibungen und flächendeckender Sterilisierung tibetischer Frauen, von Überflutung des Landes durch chinesische Siedler, von systematischer Zerstörung des tibetischen Kulturerbes entsprechen nicht den Tatsachen.

Die Dalai Lamas als »Gottkönige« Tibets sind demokratisch durch nichts legitimiert; sie werden, ebenso wie die sonstigen Großlamas, aufgrund astrologischer und sonstiger Zufallsdeutungen von den Gelbmützen für ihre Rolle ausgewählt. Auch der gegenwärtige Dalai Lama, der sich als vierzehnte Wiedergeburt seiner Amtsvorgänger und letztlich als Emanation der höchsten Gottheit auf dem Dach der Welt, des elf-, gelegentlich auch sechzehnköpfigen und tausendarmigen Chenrezig vorkommt, wurde als Zweieinhalbjähriger auf solchem Wege ausfindig gemacht. Bis heute hat er sich, trotz allen Demokratisierungsgeredes, noch nicht einmal in den exiltibetischen Kommunen durch eine Wahl oder Volksabstimmung legitimieren lassen.

Kollektiver Wahn

Die Doktrin der Gelbmützensekte ist ein abstruses Konglomerat aus Geister- und Dämonenglauben, verbunden mit menschenunwürdigen Unterwerfungsritualen. Wie jede Religion basiert sie wesentlich auf raffiniert und gezielt geschürter Angst vor dem Jenseits. Horrende Monster-, Vampir- und Teufelsvorstellungen durchziehen die Lehre des tibetischen Buddhismus. Wer die Gebote der Lamas nicht befolge, finde sich unweigerlich in einer der sechzehn Höllen wieder. Eine davon bestehe aus einem »stinkenden Sumpf von Exkrementen«, in dem man bis zum Hals versinke; zugleich werde man »von den scharfen Schnäbeln dort lebender riesiger Insekten bis aufs Mark zerfressen und zerpickt«. In anderen Höllen wird man verbrannt, zerschlagen, zerquetscht, von Felsbrocken zermalmt oder mit riesigen Rasiermessern in tausend Stücke zerschnitten. Und das, über Äonen hinweg, immer wieder aufs neue. Was derlei pathologischer Karmawahn in den Köpfen einfach strukturierter, ungebildeter Menschen anrichtet – ganz zu schweigen von den Köpfen drei- oder vierjähriger Kinder, die man damit vollstopft –, läßt sich nur mit Schaudern erahnen.

Systematisch werden durch den tibetischen Buddhismus geistes- und seelenverkrüppelte Menschen herangezüchtet. Wesentlicher Bestandteil des Ritualwesens, zu dem auch verschiedenste – in der Regel zutiefst frauenverachtende – Sexualpraktiken zählen, ist die Einnahme »unreiner Substanzen«. Dazu gehören die »Fünf Arten von Fleisch« (Stier-, Hunde-, Elefanten-, Pferde- und Menschenfleisch) sowie die »Fünf Arten von Nektar« (Kot, Gehirn, Sexualsekret, Blut und Urin). Als tieferer Grund für derlei tantrische Riten gilt die zu erwerbende Erkenntnis, daß »kein Ding an sich rein oder unrein ist und alle Vorstellungen von solchen Gegenständen lediglich auf falscher Begrifflichkeit beruhen«.

Opfer solch kollektiven Wahngeschehens ist eine ganze Gesellschaft, die seit Jahrhunderten unter dem Joch dieses von Mönchsgeneration zu Mönchsgeneration weitergegebenen Irrsinns steht. Opfer sind letztlich aber auch die Mönche und Lamas selbst, die, abgerichtet seit frühester Kindheit und jeder Chance auf eigenständiges Denken und Handeln beraubt, das psychopathische Wahnsystem, in dem sie sich bewegen, nicht als solches erkennen können; die, ganz im Gegenteil, ihr verbogenes und verkrüppeltes Selbstverständnis, ihre tantrischen Kot- und Blutrituale für einen Ausdruck höheren Bewußtseins halten, unabdingbar auf dem »Weg zur Erleuchtung«.

Längst ist im übrigen erwiesen, daß die Sexualpraktiken, deren die tibetischen Lamas sich befleißigen, keineswegs nur visualisiert sind, wie sie behaupten. Seit je werden hierzu ganz reale Mädchen und Frauen herangezogen. Entscheidend, so der Dalai Lama in interner Verlautbarung, sei es, sich vor dem Fehler des Samenergusses zu hüten, denn: »ohne Ejakulation ist es kein Sex, auch wenn es so aussieht«. Komme es dennoch zum »Auswurfe des Spermas«, solle man dieses aus der Vagina der »Weisheitsgefährtin« herausschlürfen. Das Mönchsgebot der Enthaltsamkeit bleibe so gewahrt.

Merkwürdige Freunde

Nach wie vor viel zu wenig bekannt sind die Kontakte des Dalai Lama zu alten und neuen Nazis. Damit ist noch nicht einmal seine Freundschaft zu Heinrich Harrer gemeint, der als SA-Mann und späterer SS-Oberscharführer überzeugter Nazi gewesen war (auch wenn er das bis zu seinem Tod Anfang 2006 abstritt). 1939 war Harrer im Zuge einer SS-Bergsteiger-Expedition zum Nanga Parbat in Nordindien (heute Pakistan) in britische Kriegsgefangenschaft geraten, aus der er 1944 nach Tibet entfliehen konnte. Anfang 1950 lernte er den damals 15jährigen Dalai Lama kennen, dem er in der Folge mehr oder minder regelmäßigen Englisch- und Geographieunterricht erteilte. Im November 1950 verließ Harrer Lhasa, seine vielgerühmte Tätigkeit als »Lehrer und Vertrauter des Gottkönigs« hatte etwas mehr als ein halbes Jahr gedauert.

Gemeint sind vielmehr die freundschaftlichen Kontakte, die der Dalai Lama im Exil zu den Mitgliedern der SS-Expedition Ernst Schäfer pflegte, die 1938/39 in Lhasa zugange war. Die Nazis, Himmler vorneweg, hatten größtes Interesse an Tibet gehegt, wo man, basierend auf den theosophischen Schriften Helena Blavatskys, das Hirngespinst verfolgte, es hätten Überlebende des untergegangenen Kontinents Atlantis im tibetischen Hochland sagenhafte unterirdische Reiche geschaffen, in denen ihr uraltes höheres Wissen bewahrt würde. Insofern wähnte man auch den Ursprung der »nordischen Rassenseele« in Tibet beheimatet. Selbstredend gab es auch handfestes politisches beziehungsweise militärisches Interesse an »Inner­asien«. In den Kinos wurden ständig irgendwelche Tibet-Filme gezeigt, es gab zahllose Ausstellungen und Veröffentlichungen zum »Dach der Welt«. Das heutige große Interesse an Tibet hat, wenn auch mit anderen Vorzeichen, seine Wurzeln mithin in der flächendeckenden Tibet-Propaganda der Nazis.

Der Dalai Lama, dessen Regent Reting Rinpoche im Jahre 1939 die Schäfer-Delegation offiziell im Potala empfangen und mit einem Freundschaftsschreiben an den »trefflichen Herrn Hitler, König der Deutschen« versehen hatte, weigert sich bis heute, irgendwelche Auskunft zu den damaligen Unterredungen zu geben. Bis in die 1990er Jahre hinein pflegte er statt dessen regen Kontakt zum letzten Überlebenden der Expedition von 1939, zu dem 1998 verstorbenen SS-Hauptsturmführer Bruno Beger, der 1971 als Nazikriegsverbrecher (»Rassenspezialist von Auschwitz«) verurteilt worden war, aber nur kurze Zeit abzusitzen hatte. Man traf einander oftmals zu persönlichen Gesprächen, jeweils in herzlichster Atmosphäre.

Gemeint sind desweiteren die Begegnungen des Dalai Lama mit Miguel Serrano, dem Vorsitzenden der »Nationalsozialistischen Partei« Chiles. Serrano, ehedem Botschafter Chiles in Österreich, gilt als Vordenker des sogenannten Esoterischen Hitlerismus. In seinen Publikationen halluziniert er, der »Führer« sei nach wie vor am Leben und plane von einer unterirdischen Basis in der Antarktis aus, mittels einer gigantischen Flotte von UFOs die Weltherrschaft zu erringen. Gemeint sind vor allem auch die Kontakte des Dalai Lama zu dem japanischen Terroristen und Hitler-Verehrer Shoko Asahara, den er mehrfach und in allen Ehren in Dharamsala empfing. Er stattete Asahara mit zwei hochoffiziellen Empfehlungsschreiben aus, die wesentlich zum Aufstieg der AUM-Sekte zu einer der gefährlichsten Terrorgruppen beitrugen, die es jemals gegeben hat. Die U-Bahn-Attentate in Tokio vom 20. März 1995 – es hatte seinerzeit zwölf Tote und über 5000 teils Schwerstverletzte gegeben – waren nur das Vorspiel zu einem geplanten Massenmord an 20 Millionen Menschen gewesen: Die Sekte plante, die gesamte Einwohnerschaft Tokios mit Botulismusbakterien auslöschen, womit Asahara seinen Anspruch als buddhokratischer Weltendiktator zu unterstreichen beabsichtigte. Zu einer klaren Verurteilung seines »spirituellen Freundes« konnte der Dalai Lama sich bis heute nicht durchringen.

Inhärente Existenz

Nach Deutschland kommt »Seine Heiligkeit« offenbar besonders gerne. Im zurückliegenden Jahr war er gleich dreimal da: Im Frühsommer wurde ihm eine besondere Ehrung durch die Bild-Zeitung zuteil, die ihren langjährigen Werbeaugust mit einem hauseigenen Preis auszeichnete, im Sommer führte er den Vorsitz einer buddhistischen Unterweisungswoche in Hamburg, und im Herbst reiste er an, um die Ehrendoktorwürde der Universität Münster entgegenzunehmen. Bei jedem seiner Auftritte überschlugen sich die Medien fast vor Begeisterung, ungeachtet dessen, ob er nun alberne Kalendersprüche abließ über das »wahre Glück«, das nur zu erlangen sei, wenn man es wirklich wolle oder sich in pseudophilosophischen Abstrusitäten erging: »Daß Erscheinungen unter letztgültiger Analyse nicht gefunden werden können, zeigt an, daß sie nicht wirklich existieren. Da sie leer sind in bezug auf die konkrete Existenzweise, in der sie erscheinen, ist klar, daß sie im Kontext und Wesen der Leere in bezug auf inhärente Existenz existieren. Daß etwas nicht gefunden werden kann, heißt also, daß es nicht nicht existiert, sondern daß es nicht wirklich existiert.« Derlei Erkenntnis, so die große Leuchte der Weisheit, sei freilich nicht innerhalb eines einzelnen Menschenlebens zu gewinnen. Es bedürfe Tausender aufeinanderfolgender Leben, um in solch schwindelnde Höhen des Geistes vorzudringen.

Von Münster aus ging es nach Wiesbaden zu einem Besuch von Tibetfreund Roland Koch, dann nach Berlin, wo ein »privater Meinungsaustausch« mit Bundeskanzlerin Angela Merkel anberaumt war. Sonderlob für dieses Treffen gab es von Horst Köhler und von der FDP. Auch die NPD entdeckte Gemeinsamkeiten: die »klar nationalistischen Positionen« des Führers vom Dach der Welt seien beispielgebend. Die Kanzlerin hätte besser nicht nur die spirituellen, sondern auch die politischen Ansichten des Dalai Lama studieren sollen. Dieser hat im übrigen bislang nicht erklärt, ob er mit seinen völkischen »Tibet-den-Tibetern«-Parolen nur die Ausweisung von Han-Chinesen aus Großtibet im Auge hat oder ob auch nichttibetische Minderheiten wie Bai, Dengba, Hui, Lhoba, Monba, Mongolen, Naxi, Sherpa oder Uiguren aus dem Land getrieben werden sollen.

Colin Goldner ist Autor des Standardwerkes »Dalai Lama: Fall eines Gottkönigs«, das Ende April in aktualisierter und erweiterter Neuauflage im Alibri-Verlag Aschaffenburg erscheint.

aus www.jungewelt.de   26.03.08

25
Mär

Ostermarsch in Wittmund - Rede v. Manfred Sohn

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Liebe Freundinnen und Freunde, am Samstag hatten wir in Hannover auf dem Kröpcke unsere zentrale Ostermarsch-Aktivität. Ich hab’ zwar keinen Auftrag, bin mir aber sicher, im Sinne der hannoverschen Friedensfreundinnen und -freunde zu handeln, wenn ich Euch sage: Hannover grüßt Wittmund - Niedersachsen muß friedlicher, nicht kriegerischer werden! Dies gilt natürlich nicht nur für Niedersachsen, sondern für alle Bundesländer. Aber es hat in Niedersachsen leider einen besonderen, einen dramatisch aktuellen Klang. Seit Jahren wenden wir uns gegen die zunehmende Bereitschaft unserer verschiedenen Bundesregierungen - von Schröder bis Merkel - Kriege immer mehr und immer selbstverständlicher zum Mittel der Politik zu machen und dabei das Völkerrecht bestenfalls als eine Empfehlung zu betrachten, die nach Gutsherrenart mal beachtet und mal beiseitegeschoben wird.

Diese Politik der Verachtung des Völkerrechts und des Verbots von Angriffskriegen in unserem Grundgesetz findet unseren energischen Widerstand. Diese Politik ist - das ist die österlichen Hoffnung, die uns trägt - einer der zentralen Gründe dafür, daß die supergroße Koalition der Kriegstreiber - die ja leider von CDU über FDP bis zur SPD und den GRÜNEN reicht - von Wahl zu Wahl mehr an Boden verliert.

Und obwohl die Bevölkerung sich immer klarer gegen diese Kriegspolitik wendet, wird der Kriegskurs der CDU/SPD-Koalition immer offener, offensiver und frecher.

Bis vor kurzem galt noch die Lesart, die Bundeswehr werde vor allem nach Afghanistan geschickt, um dort Brunnen zu bohren und sich lediglich selbst zu verteidigen. Verlogen war das schon immer.

Aber nun gehen sie einen Schritt weiter. Sie schicken in diesem Sommer nun auch ganz offiziell Kampftruppen mit den Auftrag an den Hindukusch, dort gegnerische Kräfte - also Taliban - offensiv aufzuspüren und zu bekämpfen. Jeder, der auch nur einen Hauch Ahnung vom Militär hat, weiß, was das heißt: Das ist die endgültige, offizielle Verwandlung der Bundeswehr von einer Verteidigungs- in eine Angriffsarmee.
Was ihnen dort blüht, hat im Herbst vergangenen Jahres der Kommandeur der norwegischen Truppen, die jetzt durch die deutschen abgelöst werden sollen, mit den Worten beschrieben, “seit dem Zweiten Weltkrieg sind norwegische Soldaten nicht mehr in derart schwere Kämpfe verwickelt gewesen.”

Und Niedersachsen - das ist das für unser Bundesland so besondere - steht dabei in vorderster Front: Leider im wahrsten Sinne des Wortes.

Denn die ersten Truppen, die diesen martialischen Kampfauftrag bekommen, sind nicht irgendwelche Truppen. Es sind Teile der in Niedersachsen stationierten 1. Panzerdivision. Unsere Forderung ist klar: Die hat in Afghanistan nichts zu suchen! Wir mögen die zwar nicht, aber lieber sollen die hier in Niedersachsen bleiben als in Afghanistan Taliban zu jagen und - natürlich als Collateralschaden - Frauen und Kinder zu verstümmeln und zu töten!

Aber mit dem Verschicken dieser Truppenteile endet der niedersächsische Skandal noch nicht. Denn die sollen auch noch feierlich verabschiedet werden: Am 22. April um 15.00 Uhr soll der Niedersächsische Landtag in einer “Feierstunde” diesen an die Front abziehenden Truppen sympbolisch aufmunternd zuwinken.

Nun sitzt seit dem 27. Januar - übrigens auch dank der 2206 Wählern allein aus dem Wahlkreis Wittmund - im Landtag auch eine Fraktion der Partei DIE LINKE. Ich kann Euch versprechen: Wir werden nicht zulassen, daß unser Parlament zur Applauskulisse für an die Front ziehende Truppen verkommt! Wir bereiten gegenwärtig Aktionen vor, um diese Feierstunde für den Krieg zu einer Stunde der Aktionen für den Frieden umzuwandeln - inner- und außerhalb des Parlaments. So wie ich heute hier nach Wittmund gekommen bin, so lade ich Euch herzlich ein, am Nachmittag des 22. April nach Hannover zu kommen, um dort gemeinsam mit den hannoverschen Friedensfreunden gegen die Entsendung der 1. Panzerdivision nach Afghanistan zu protestieren.

Wir lassen nicht zu, daß Niedersachsen zur Ausgangsbasis von Kriegen gegen andere Völker wird! Wir wissen: Wer Krieg sät, wird Krieg ernten! Wir lassen nicht zu, unser Parlament zu mißbrauchen! Wir lassen den Krieg nicht zu! Wir werden nicht müde werden, für den Frieden zu kämpfen!

Vielen Dank!
(Dr. Manfred Sohn, MdL aus dem Kreis Peine, ist Vorsitzender der Fraktion DIE LINKE im Niedersächsischen Landtag)

23
Mär

Internationale Gedenkkundgebung am 10. Mai 08

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21
Mär

Irak: Fünf Jahre nach der Invasion

Irak: Fünf Jahre nach der Invasion

 

von Alan Woods   

20. März 2008

Es gibt ein altes orientalisches Sprichwort: Ein Mann, der auf dem Rücken eines Tigers reitet, findet es schwierig abzusteigen. Als die Koalitionstruppen im März 2003 in Bagdad einmarschierten, waren die Imperialisten voller Zuversicht. Berauscht von der Macht ihrer Militärmaschinerie, prophezeiten sie dem Irak und dem Nahen Osten eine leuchtende Zukunft.

Mit ihren Kampfstiefeln, die sie dem niedergeworfenen Volk fest auf die Gurgel drückten, verkündeten sie stolz, der Irak sei “befreit” worden. Sie rühmten sich laut damit, dass diese Aufklärungsoperation der gesamten Region jetzt den Frieden garantieren würde. Nicht nur das, vielmehr würden sich die dankbaren Völker in der arabischen Welt von nun an in Scharen der westlichen Demokratie zuwenden und Lobeshymnen auf George Bush und seinem Propheten Tony Blair singen. Aber fünf Jahre später sehen die Dinge doch anders aus. Fünf Jahre, nachdem Bush seine berüchtigte Rede von der “erfüllten Mission” hielt, herrscht im Irak das Chaos.

Unter diesen Umständen scheint es außergewöhnlich, dass George Bush immer noch der Meinung ist, dass die US-Besatzung des Irak  erfolgreich sei. Das jedenfalls sagt dieser Mann und es ist sogar möglich, dass er es glaubt. In seiner Rede zum fünften Jahrestag der Invasion erwähnte er das Wort “Sieg” tatsächlich drei Mal. Ob allerdings ein Krieg gewonnen oder verloren wird, hängt davon ab, ob die anvisierten Ziele erreicht wurden oder nicht. Wir sollten uns wieder ins Gedächtnis rufen, welches die Ziele des US-Imperialismus waren.

Die Kriegsziele

Das erklärte Ziel der Invasion war die Vernichtung der Massenvernichtungswaffen, die sich, so behaupteten Bush und Blair, in den Händen von Saddam Hussein befanden und angeblich “eine wirkliche und gegenwärtige Gefahr” für die Völker der USA und Großbritanniens darstellten. Allerdings wurden solche Waffen nie gefunden und jeder weiß, dass es sich um eine zynische Lüge handelte, ein plumper Propagandatrick, um die öffentliche Meinung über die wirklichen Kriegsziele der herrschenden Klasse der USA und Großbritanniens zu täuschen.

Das weitere Hauptziel sollte der Kampf gegen den Terrorismus und hier besonders gegen Al-Kaida sein. Aber es war allgemein bekannt, dass Al-Kaida im Irak unter Saddam Hussein nicht anwesend war, denn Saddam war deren erbitterter Gegner. Fünf Jahre nach der Invasion jedoch sind Al-Kaida und seine Verbündete im Irak überaus stark vertreten und greifen die Amerikaner und ihre irakischen Freunde an. Der Einmarsch in den Irak hat die Gefahr des Terrorismus nicht verringert, wie Bush und Cheney behaupteten. Im Gegenteil, sie ist dadurch erheblich gestiegen.

In den letzten fünf Jahren hat der Terrorismus nicht nur im Irak, sondern in der gesamten Region zugenommen. Der Hass auf Amerika hat sich durch die Aktionen der Besatzer kolossal verschlimmert. Als Folge davon haben sich Tausende junge Leute in der arabischen Welt terroristischen Organisationen angeschlossen. Auf diese Weise ist George Bush zum effektivsten Rekrutierungsoffizier für Al-Kaida geworden.

 

Der Krieg ist mittlerweile in den USA höchst unbeliebt geworden. Er hat bereits das Leben von über 4000 US-SoldatInnen gekostet, ganz zu schweigen von den Zehntausenden Verwundeten und Krüppeln. Die wirtschaftlichen Kosten des Krieges sind noch größer. Niemand weiß genau, was er bislang gekostet hat, aber es gibt eine Schätzung, die sich auf fünf Billiarden Dollar beläuft.

Werden sie die Truppen abziehen?

Die beiden demokratischen Präsidentschaftskandidaten Barack Obama und Hillary Clinton haben zugesagt, einen schnellen Abzug zu befürworten. Der republikanische Kandidat John McCain hat den Krieg stets unterstützt, aber das ist die Hauptschwäche seines Wahlkampfes, besonders angesichts der wirtschaftlichen Rezession.

Bush versucht zu argumentieren, dass die Zahl der Gewalttaten zurückgegangen sei und die Truppenverstärkung sich auswirke. Aber sie bleiben noch extrem hoch, nur die Strategie der Aufständischen hat sich geändert, diese haben sich entschieden ihre Aktivitäten vorübergehend einzuschränken oder sind einfach in andere Regionen gezogen. Sobald das Ende der Truppenverstärkung verkündet wird (und das muss der Fall sein), werden die Aufstände wieder zunehmen.

Momentan sind ungefähr 158.000 US-Soldaten im Irak, diese Zahl soll im Sommer auf 140.000 fallen. Danach möchten die Generäle ein Moratorium beim Truppenabbau. Dies ist aber eine Frage mit hochexplosivem Inhalt für alle drei voraussichtlichen Präsidentschaftskandidaten, denn im Wahljahr wird es wahrscheinlich keiner von ihnen riskieren angesichts der öffentlichen Meinung aus dem Rennen geworfen zu werden.

Obamas Opposition zum Irak-Krieg besteht in erster Linie an der Invasion selbst und sein Versprechen den Krieg zu beenden ist ebenfalls populär. Er sagt, er würde die Truppen bis Ende 2009 aus dem Land holen, obwohl dies in der Praxis nicht geschehen wird. Wenn wir uns die Einzelheiten seines Plan anschauen, bleibt vieles im Unklaren. Er erklärt, er würde jeden Monat ein oder zwei Kampftruppen aus dem Irak abziehen, so dass noch auf lange Sicht eine große Anzahl amerikanischer Soldaten im Irak stationiert bleibt. Auch danach würde er Soldaten im Land lassen, “um die US-Botschaft zu schützen und Al-Kaida wo nötig zu bekämpfen”, außerdem würde er sich “das Recht vorbehalten” erneut in den Irak einzumarschieren, um einen Völkermord zu beenden. Es handelt sich hierbei kaum um einen eindeutigen Plan für das Ende eines US-Engagements im Irak!

Hillary Clinton fordert ebenfalls den Abzug von ein oder zwei Brigaden pro Monat, möchte aber eine “kleine Elitekampfeinheit” zur Bekämpfung von Terroristen im Lande zurücklassen. Ihre Pläne scheinen auf eine noch längere Truppenstationierung hinzuweisen als die von Obama. McCain, der Zeichen eines übermäßigen Selbstbewusstseins oder eines fortgeschrittenen Altersverfalls zeigt, hat erklärt, dass die USA bleiben und im Irak in den nächsten 100 Jahren Truppen haben müssen, um die Aufgabe zu beenden, die man angefangen habe. Das heißt konkret: Der Krieg geht weiter, wer auch immer im Weißen Haus sitzen wird. In der Zwischenzeit sterben Hunderte weiterer US-SoldatInnen und IrakerInnen.

Es ist aber auch klar, dass der nächste US-Präsident mit der Tatsache fertig werden muss, dass der Krieg verloren ist. Früher oder später werden die Truppen abgezogen werden müssen. Die einzig offene Frage dabei ist, wie schnell und in welchem Ausmaß dies möglich sein wird, um Amerikas Erniedrigung zu verschleiern und die Niederlage als Sieg zu präsentieren.

Während der Invasion behandelte George Bush die Vereinten Nationen mit vollständiger Verachtung und schob den Sicherheitsrat als Belanglosigkeit beiseite ( was er auch ist). Jetzt wollen die Demokraten die UN und die Regierungen im Nahen Osten mit einbeziehen, um den amerikanischen Truppenabzug zu erleichtern. Das sind zynische Berechnungen der bürgerlichen Diplomatie! Solange Washington glaubte, es könnte seine Ziele mit Gewalt erreichen, war es nicht am Einsatz von Vermittlern interessiert. Aber jetzt da es festgestellt hat, dass es in einem nicht gewinnbaren und kostspieligen Konflikt gefangen ist, hat es die Werte der Diplomatie neu entdeckt und beginnt zu singen “Gelobt sind die Friedensstifter”. Genau so reagiert ein Alkoholiker, der am Morgen nach einer Party seinen Kopf ergreift und plötzlich die Freuden eines Lebens ohne Alkohol entdeckt und schwört, nie mehr zu trinken – zumindest nicht bis zur nächsten Party.

Unglücklicherweise könnte die UN nicht so besonders scharf darauf sein zu helfen, da doch ihr Hauptquartier in Bagdad im August 2003 bombardiert wurde. Die Russen und Chinesen werden nicht so erpicht sein, dem Sicherheitsrat, der 2003 von den Amerikanern willkürlich mit Füßen getreten wurde, zu erlauben, als Deckblatt für Washingtons Rückzug benutzt zu werden. Auch die Europäer werden nicht zur Hilfe eilen.

Das bedeutet, dass die USA mit den Nachbarstaaten Iran und Syrien ein Abkommen erreichen müssen, um die Truppen aus dem Irak abzuziehen. Das ist George Bush ein Dorn im Auge, aber der nächste Bewohner des Weißen Hauses hat nur die Alternative eine Übereinkunft zu suchen. Das aber ist überhaupt nicht klar, denn alle vorherigen Versuche sind gescheitert. Besonders der Iran befindet sich in einer starken Position, da er einen sehr großen Einfluss auf die schiitische Bevölkerung im Irak hat. Washington muss sich darauf vorbereiten, mit dem Iran über alle Probleme zu sprechen, ohne zuerst die Forderung nach der Einstellung des Programms zur Atomanreicherung zu stellen. Dabei werden die USA nach dem ganzen Possenspiel wegen des iranischen Atomprogramms eine Menge zu schlucken haben, aber es bleibt ihnen keine Alternative.

Sektiererischer Wahnsinn

Das Hauptproblem besteht darin, dass der irakische Staat, der mit der Invasion zerstört wurde, nicht wiederaufgebaut worden ist. Die Amerikaner versuchten zuerst sich auf die Kurden und Schiiten zu stützen, das aber befremdete die Sunniten. Der rigorose Ausschluss aller ehemaliger Mitglieder der Baath-Partei von allen öffentlichen Ämtern beleidigte die sunnitische Bevölkerung zusätzlich und führte sie dem bewaffneten Aufstand zu. Das Land verfiel in einen sektiererischen, ethnischen und religiösen Konflikt, der die besondere Struktur der irakischen Gesellschaft zu zerstören drohte. Eine Welle von Selbstmordattentaten, Entführungen und anderer sektiererischer Grausamkeiten nahm zu und die sunnitische und schiitische Bevölkerung wurden polarisiert und in verschiedene Gebiete aufgeteilt. Da die Polizei nicht in der Lage war, sie gegen die Gewalt zu verteidigen, verließen sie sich stattdessen auf lokale Milizen. Während die Macht der schiitischen und sunnitischen Milizen zunahm, sank die der Zentralregierung.

Die US-Imperialisten selbst waren zum großen Teil für den sektiererischen Wahnsinn verantwortlich. Sie erkannten zu spät, dass sie durch die Zerstörung der irakischen Armee, die einzige Macht beseitigt hatten, die als Gegengewicht zur Macht des Iran in der Region handlungsfähig gewesen wäre. Die Schiiten, die sie zuerst als Alliierte betrachteten, wandten sich dem Iran zu. Die Amerikaner entschieden sich dann ihre Politik zu ändern und versuchten die Macht der schiitischen Milizen einzudämmen, indem sie um Unterstützung bei den Sunniten warben. Ein Gesetz, dass die scharfe Ent-Baathifizierung korrigierte, wurde verabschiedet. Das ist für die Schiiten zuviel, für die Sunniten, die das Gesetz als zu restriktiv betrachten, aber zu wenig. Gesetze über die Verteilung der Öleinnahmen und Provinzialwahlen müssen noch reformiert werden. Und die Verfassung kann nicht geändert werden ohne die sektiererische Leidenschaft noch weiter zu entfachen.

Bei einem Besuch anlässlich des fünften Jahrestags der von den USA angeführten Invasion, fuhr Vize-Präsident Dick Cheney nach Bagdad, um die von ihm wahrgenommenen politischen und Sicherheitsmaßnahmen im Land als “phänomenal” zu loben. Cheney hatte Pech mit Wahl des Zeitpunkts seiner Rede. Sofort danach löste sich eine Konferenz zur Versöhnung der rivalisierenden politischen Parteien auf, als sunnitische und schiitische Gruppen den Saal verließen. Dieser kleine Zwischenfall belegt den extrem zerbrechlichen Charakter der Situation und der Regierung.

Imperialistische Barbarei

Der Irak, der einmal das am weitest entwickelte und kultivierte Land in der Region war, wurde in einen entsetzlichen Zustand versetzt, der an Barbarei grenzt. Seit der Invasion 2003 sind nach neuesten Schätzungen mehr als eine Million Menschen an den Folgen des Konflikts in ihrem Land getötet worden. Im Jahre 2006 schätzte das angesehene britische Ärzteblatt The Lancet die Zahl der Toten auf zwischen 392.979 und 942.636. Das führte beim britischen und amerikanischen Establishment zu einem Sturm der Entrüstung, das darauf aus war die Öffentlichkeit über die Katastrophe, die dem irakischen Volk zugefügt wurde, im Unklaren zu lassen. Die neuesten Zahlen zeigen jedoch, dass selbst The Lancet die Zahl der in diesem Konflikt getöteten IrakerInnen erheblich unterschätzte

Eine aktuelle Umfrage durch das Opinion Research Business (ORB), dem führenden Meinungsforschungsinstitut in Großbritannien,  zeigte, dass 20 Prozent der IrakerInnen zumindest einen Toten in ihrem Haushalt als Folge des Konflikts zu beklagen hatten. D.h. 1000 Tote pro Tag. Damit wird die Zahl der Toten beim Völkermord in Ruanda übertroffen.

Die Toten sind nur ein Teil des Elends, das dem irakischen Volk widerfahren ist, Über vier Millionen Menschen wurden gezwungen aus ihren Häusern zu fliehen und lassen die Reihen der Flüchtlinge anschwellen, die sich eher schlecht als recht in den Flüchtlingslagern in Syrien und Jordanien durchschlagen. Dabei handelt es sich um ein wirkliches humanitäres Problem, das unsere westlichen “Philanthropen” diskret verschweigen. Das Bildungs- und Gesundheitssystem, die im Irak hoch entwickelt waren, sind nahezu zerstört worden. Millionen von IrakerInnen haben keinen Zugang zu sauberem Wasser, geschweige denn zu Schulen oder Krankenhäusern.

Diese Fakten sprengen die scheinheiligen Mythen über den angeblich humanitären Charakter der Invasion in den Irak vollständig. Bush und Blair vergossen Krokodilstränen über das traurige Schicksal des irakischen Volkes unter Saddam Hussein. Ja, Hussein war ein Monster, aber die Imperialisten sind viel größere Monster. Sie werden nicht von einer humanitären Einstellung angetrieben, wie Demokratie oder andere gut klingende Ideale, die sie als Deckmantel benutzen, um ihre wirklichen Interessen, die mit schmutziger Geschäftemacherei und regelrechtem Raub zu tun haben, zu verschleiern

Die Irak-Invasion war eine kriminelle Handlung, die von Verbrechern begangen wurde, die dachten, sie könnten den Ölreichtum im Irak plündern und neue Einflusssphären und Spielplätze für die großen Ölkonzerne im Nahen Osten erschließen. Dieses Abenteuer ging nur gründlich daneben. Die IrakerInnen schlagen zurück und anstatt Profite zu machen, erleiden die Besatzer große Verluste. Selbst das reichste Land der Erde kann nicht ewig derartige Verluste an Blut und Gold ertragen.

Der US-Imperialismus ist die konterrevolutionärste Macht auf dem Planeten. Die Zahl ihrer Verbrechen ist Legion, für die Millionen unschuldiger Männer, Frauen und Kinder leiden und sterben mussten. Aber diese Verbrechen fordern die Empörung von Millionen Menschen sowohl in den USA als auch weltweit heraus. Die Bewegung gegen die kriminelle Besetzung des Irak wächst und mit ihr die Erkenntnis, dass der Kapitalismus und sein monströser Abkömmling der Imperialismus vom Angesicht der Welt verschwinden müssen, wenn die Menschheit leben kann. Und wenn die Menschheit schließlich eine Inschrift auf den Grabstein des Monsters einritzt, wird dieses an das Urteil des Historikers Tacitus über den römischen Imperialismus erinnern:

“Sie schaffen eine Wüste und nennen es Frieden.”

Übersetzung: Tony Kofoet

 

20
Mär

Die Unruhen in Tibet

Die Unruhen in Tibet

von Heiko Khoo

18. März 2008

 

Auf die Unruhen und dem Blutvergießen in Tibet reagierte die chinesische Regierung und beschuldigte den Dalai Lama und die Kampagne tibetischer Exilanten, die Tibet-Frage international im Vorfeld der Olympischen Spiele aufzuwerfen. Zweifelsohne haben der Dalai Lama und seine Anhänger und FreundInnen ein Interesse daran, das Großereignis zu nutzen, um auf Peking im Rampenlicht der Medien politischen Druck auszuüben, aber das allein ist für die gegenwärtigen Geschehnisse in Tibet keine Erklärung.

 

Chinesische Journalisten von der Xinhua Nachrichtenagentur berichteten über die Vorfälle in Lhasa:

“Dichter Rauch bedeckte den bewölkten blauen Himmel, brennende Trümmer strömten einen reizenden Geruch aus and Hunderte klagten über das Blutvergießen.”

“Rowdys, die Rucksäcke trugen, in denen sich Steine und brennbare Flüssigkeiten befanden, zerschlugen Fensterscheiben, zündeten Autos, Geschäfte und Restaurants an, an denen sie vorbei kamen.”

 

Freitag , der 14. März, in Lhasa wird beschrieben,

“als Tag, an dem die Hauptstadt in einem Chaos zurückgelassen wurde, nach einem Ausbruch von Prügeleien, Zertrümmerungen, Plünderungen und Brandstiftungen, von denen Offizielle behaupten, sie seien, nach diesen ausreichenden Beweisen, ‘von der Dalai-Clique federführend geplant worden’.”

 

Obwohl die Angriffe auf Menschen und Eigentum nicht politisch begründet waren, wurden sie durch die Proteste der Mönche am 10. März ausgelöst. Laut Peoples’ Daily traten 300 Mönche des Zhaibung-Klosters den Sicherheitskräften gegenüber und provozierten Zusammenstöße. Zuschauer ergriffen dann die Fackeln und der Mob

“begann einen Amoklauf der Zerstörung und verschonte niemanden und nichts auf seinem Weg. Randalierer zündeten Gebäude an, fackelten Dutzende Polizei- und Privatautos ab, plünderten Schulen und Geschäfte. Unschuldige Zivilisten wurden erstochen, gesteinigt oder ausgepeitscht. Wenigstens zehn Menschen starben, die meisten von ihnen an Verbrennungen.”

Alle Berichte über die Gewalttaten sprechen davon, dass junge Leute in den Zwanzigern an diesen Amokläufen beteiligt waren. Ein Muslim, der in seinem Geschäft gedämpftes Brot verkauft, wurde mit einem Messer gestochen. Er berichtete, dass einige Rowdys in sein Geschäft in der Touristenzone eingedrungen seien. “Sie kamen direkt auf uns zu und schlugen uns, wir wagten nicht uns zu wehren, sondern bettelten um unser Leben”, sagte er. “Ich kenne einige von ihnen. Vorher waren das ganz anständige Menschen.”

 

Die Erklärungen, welche die nationale und lokale Kommunistische Partei bot, klingen unaufrichtig. Obwohl die Unruhen und das Blutvergießen durch die Kampagne der Mönche und des Dalai Lama ausgelöst wurden, ist der Grund für die Tumulte ein ganz anderer. Tibet hat den Zustrom chinesischer Firmen erlebt; der Wohlstand, der in ganz China von den Neureichen angehäuft wurde, hat Investitionsmöglichkeiten in den verschiedensten Größenordnungen eröffnet. Die tibetischen Arbeitslosen und die WanderarbeiterInnen aus den Dörfern sind diejenigen, die nicht davon profitieren.

 

Im tibetischen Staatssektor, wo die Arbeitsmöglichkeiten Hochkonjunktur haben, bekommen TibeterInnen selten Arbeitsplätze. Diese fallen den vielen besser qualifizierten ArbeiterInnen, die aus allen Ecken Chinas kommen, zu, was den nationalistischen Unmut fördert.

 

Der ‘Durchschnittslohn’ bedeutet der Verdienst einer spezielle Gruppe von Beschäftigten, die als ‘MitarbeiterInnen und ArbeiterInnen’ bekannt ist, dazu gehören öffentlich Beschäftigte von hochrangigen Kadern bis zu ArbeiterInnen in öffentlichen Einrichtungen und Staatsbetrieben. WanderarbeiterInnen und Beschäftigte in kleineren Fabriken und Arbeitsstätten sind davon ausgeschlossen.

 

Der ‘Durchschnittslohn’ in den chinesischen Städten beträgt insgesamt 14.000 Yuan pro Jahr (1800 US Dollar), aber die Löhne in Tibet sind fast doppelt so hoch wie der Durchschnitt, höher als in Shanghai, nur in Peking wird mehr bezahlt. Fast 94% der in Tibet Beschäftigten arbeiten im staatlichen Sektor im Gegensatz zu durchschnittlich 66% in Chinas Städten.

 

Das Problem besteht darin, dass unverhältnismäßig viele Menschen chinesischer Herkunft diese gut bezahlten Arbeitsplätze im Staatssektor zur Verfügung bestellt bekommen. Höhere Löhne werden damit begründet, dass jemand, der in Tibet arbeitet, weit weg von seiner Familie und seinen Freunden ist und oft ernsthafte gesundheitliche Probleme wegen der Auswirkungen durch die Höhenlage bekommt. Die Tibeter, die im allgemeinen schlechter qualifiziert sind als die chinesischen Migranten, betrachten diese als bewusst bevorzugte Schicht.

 

Zusammen mit dem Zustrom von Staatsangestellten, die in Verwaltungs- und Infrastrukturprojekten beschäftigt sind, kam es zu einem Zustrom chinesischer Händler und in einem geringeren Ausmaß von Hui-Muslimen, deren Geschäfte durch die hohe Kaufkraft der Staatsbediensteten und der Touristen florieren. Ihre überregionalen Netzwerke tragen dazu bei, dass TibeterInnen nicht mit ihnen konkurrieren können. Der wirtschaftliche Aufschwung in Tibet hat alle Sorten Unternehmer ermutigt, ihre Geschäfte zu eröffnen, dazu gehören auch illegale Geschäftemacher und SexarbeiterInnen. Die Tibeter glauben oft, diese würden ebenfalls von Peking subventioniert. Aus diesem Grund ist es leicht ersichtlich, wo die Wurzeln für die ethnische Unzufriedenheit liegen.

 

In ganz China ist der Anstieg der Löhne nicht entsprechend dem wirtschaftlichen Boom erfolgt. Durch den Druck der Armee der WanderarbeiterInnen und der Raubgier der Unternehmer im privaten Sektor wurden die Löhne für viele Werktätige eingefroren. Nach Angaben des Gewerkschaftsbunds ACFTU haben 26% der ArbeiterInnen in den letzten fünf Jahren, trotz des ökonomischen Wachstums von durchschnittlich 10,6%, keine Lohnerhöhungen erhalten. Die Profite sind nicht nur durch neue Maschinen und Arbeitsmethoden gesteigert worden, sondern auch durch das Drücken der Löhne. Der Anteil der gesamten Arbeitskosten am Bruttoinlandsprodukt ist von 53,4% im Jahre 1990 auf 41,4% im Jahre 2005 gefallen.

 

Offizielle in Lhasa und Peking behaupten, dass die ‘Dalai-Clique’ die blutigen Unruhen und die Unzufriedenheit junger TibeterInnen “organisiert, geplant und gelenkt” habe. Diese Behauptung ist reine Dummheit! Es sind die wachsenden Einkommens- und Chancenungleichheiten, welche Unzufriedenheitsausbrüche fördern, sei es bei ethnischen Unruhen, Arbeitskonflikten oder Bauernaufständen. Es ist beinahe skurril, dass mit absurden Einkommensungleichheiten, die den Zorn von Zehnmillionen Menschen schüren, der Slogan “eine harmonische Gesellschaft aufzubauen” die Kernaussage der Partei hätte werden sollen..

 

Eine wirkliche kommunistische, d.h. marxistische, Politik würde die Nation und seine Minderheitsregionen auf der Grundlage einer demokratisch geplanten Wirtschaft vorsichtig und harmonisch entwickeln. Stattdessen verfolgt die Führung der KPCh einen bürokratischen Plan, Tibet für den Markt zu öffnen.

 

Die Unruhen sind nicht nur eine Verschwörung der ‘Dalai-Clique’. Es ist aber auch klar, dass die wichtigsten imperialistischen Mächte des Westens ein Interesse daran haben, China zu schwächen und versuchen werden, die Unzufriedenheit der Minderheiten in dem riesigen Land auszuschlachten. Der wirkliche und direkte Grund dieses Konflikts liegt in der Politik der pro-kapitalistischen Kräfte, welche die Partei kontrollieren. Dies wird im gesamten Land bittere Früchte tragen. Ein tibetischer Händler namens Rawan sagte der Peoples’ Daily in Anbetracht des ausgebrannten Schauplatzes: “Das war einmal ein Einkaufsparadies, aber jetzt ist alles verlassen, wie in der Hölle.”

 

Auf dem Weg zum Kapitalismus rufen Ungleichheiten beim Einkommen und den Investitionen Regionalismus und ethnische Konflikte hervor, die Gewalt und Aufruhr zur Folge haben. Sollte sich Tibet jemals erfolgreich von China abspalten, würde das Land wie in der Vergangenheit der einen oder anderen imperialistischen Macht zum Opfer fallen: Eine “Unabhängigkeit Tibets” unter dem Kapitalismus ist ein Traum, der nicht in Erfüllung gehen kann.

 

Ein vereinter Kampf der chinesischen ArbeiterInnen zusammen mit den TibeterInnen und anderen Minderheitsgruppen gegen die kapitalistische Transformation Chinas kann die Grundlage für eine freiwillige Union der Völker auf der Basis einer demokratisch geplanten Produktion unter der Kontrolle und Leitung der ArbeiterInnen und Bäuerinnen selbst schaffen.

Übersetzung: Tony Kofoet

10
Mär

Der Fall Metzger: Neues Kapitel im Wiesbadener Polit-Thriller

 
Geschrieben von Hans-Gerd Öfinger
Sunday, 09 March 2008
Dass sie mit ihren politischen Plänen ausgerechnet zum Internationalen Frauentag von einer Frau aus der eigenen Partei derart ausgebremst werden würde, hatte sich Andrea Ypsilanti zu Beginn der abgelaufenen Woche wohl kaum vorstellen können. Noch am späten Donnerstagnachmittag hatte die SPD-Fraktions- und Landesvorsitzende als designierte Ministerpräsidentin im Wiesbadener Landtag eine Schar erwartungsvoller engagierter Frauen aus SPD und Gewerkschaften empfangen und Vorfreunde auf den kommenden „Politikwechsel“ und eine sozialere und frauenfreundlichere Zukunft zu wecken versucht.Zwei Tage zuvor hatte Ypsilanti stolz verkündet, dass sie sie vom SPD-Landesvorstand und der Landtagsfraktion einstimmig grünes Licht für ihre Absicht erhalten habe, sich mit dem Stimmen der LINKEN am 5. April zur neuen hessischen Ministerpräsidentin wählen zu lassen.
Doch dann kam die neu gewählte Darmstädter Abgeordnete Dagmar Metzger und zündete eine politische Bombe, als sie ankündigte, sie könne„aus „Gewissensgründen“ Ypsilanti nicht gemeinsam mit der LINKEN zur Ministerpräsidentin wählen. Prompt sagten die Grünen die für Freitag geplanten Koalitionsverhandlungen mit der SPD ab. Die SPD stürzte in eine tiefe Krise und war wie am Boden zerstört. Ypsilanti kündigte an, nun doch nicht bei der konstituierenden Sitzung des Landtags am 5. April für das Ministerpräsidentenamt kandidieren zu wollen. Der (eigentlich) abgewählte amtierende Regierungschef Roland Koch spürte wieder Oberwasser und rechnet sich Chancen aus, nun doch über den 5. April hinaus weiter regieren zu können.

Metzgerei

Wer ist diese Dagmar Metzger, die von einem Boulevardblatt als „Deutschlands mutigste Politikerin“ gefeiert wurde? Die 49-Jährige war im West-Berlin der 1960er und 1970er Jahre groß geworden und hat sich in die Darmstädter Politiker- und Juristendynastie der Metzgers eingeheiratet. Ihr heutiger Schwiegervater Günther Metzger saß in den 1970er Jahren zwei Legislaturperioden lang im Bundestag und war von 1981 bis 1993 Oberbürgermeister der Stadt Darmstadt. Dessen Vater Ludwig Metzger war 1945 bis 1950 Darmstädter Oberbürgermeister und saß von 1946 bis 1969 zuerst im Landtag und dann in Bundestag und Europaparlament. Beide galten bzw. gelten als dem stramm rechten SPD-Flügel zugehörig. Der von Günther Metzger Anfang der 1970er Jahre initiierte Metzger-Kreis war so etwas wie ein Vorläufer des rechtssozialdemokratischen Seeheimer Kreises. Der Luftkurort Seeheim an der Bergstraße, wo der gleichnamige Kreis rechter Sozialdemokraten in einem noblen Lufthansa-Schulungszentrum gegründet wurde, liegt übrigens nur wenige Kilometer südlich von Darmstadt.

Die Wahl-Darmstädterin Dagmar Metzger, hauptberuflich als Justiziarin der Stadt- und Kreis-Sparkasse Darmstadt tätig, startete ihre politische Karriere 1997 in der Kommunalpolitik und wurde im Januar 2008 erstmals in den Landtag gewählt. Dass sie keine isolierte Einzelgängerin ist, sondern nur die Spitze eines Eisbergs, wurde am Freitag auch bei ihrer Pressekonferenz im Wiesbadener Landtag deutlich. „Mein Schwiegervater hat mich beraten und hat mir die Entscheidung völlig freigestellt“, beteuerte sie im O-Ton auf eine Journalistenanfrage und gab damit vielleicht ungewollt zu, wie unselbständig sie in ihrem Handeln ist und wie sehr der inzwischen 75jährige Günther Metzger immer noch im Hintergrund wirkt. Metzger wolle einen Simonis-Effekt vermeiden, beteuerte sie. Die schleswig-holsteinische Ministerpräsidentin Heide Simonis war 2005 mit ihrem Versuch gescheitert, eine vom Südschleswigschen Wählerverband (SSW) tolerierte Minderheitsregierung aus SPD und Grünen zu bilden, weil unbekannte Verräter aus den eigenen Reihen ihr bei der Wahl zur Ministerpräsidentin im Landtag die Stimme verweigerten.

Dagmar Metzgers Berater und Schwiegervater Günther Metzger dürfte nach wie vor gute Verbindungen zu anderen konservativen Seilschaften in der SPD pflegen und alles daransetzen, das Kapitel Ypsilanti als einen „Betriebsunfall“ der hessischen SPD rasch abzuschließen. Schon vor Wochen war darüber spekuliert worden, ob bis zu zehn potenzielle Abweichler in der SPD-Fraktion bei der entscheidenden geheimen Wahl im Landtag der Kandidatin Ypsilanti eine ähnliche Niederlage beibringen könnten wie seinerzeit Heide Simonis.

Der Richtungsstreit in der Hessen-SPD wurde durch den Wahlkampf und den eigentlich unerwarteten Stimmenzuwachs am 27. Januar zeitweilig überdeckt. Ende 2006 hatte in einer Art Links-Rechts-Polarisierung Andrea Ypsilanti als die linkere von zwei Kandidaten mit einem hauchdünnen Stimmenvorsprung im Kampf um die Spitzenkandidatur ihren innerparteilichen Widersacher Jürgen Walter geschlagen. Der Unterlegene hatte sich zwar als Schatten-Innenminister im Wahlkampf einbinden lassen, machte aber in den letzten Tagen aus seiner Skepsis keinen Hehl, dass eine Wahl Ypsilantis mit Hilfe der LINKEN nicht seiner Überzeugung entspräche, auch wenn er die Mehrheitsentscheidung „loyal mittragen“ würde. Er halte den am Dienstag eingeschlagenen Weg für „gefährlich“, warnte der Rechtsanwalt noch am Mittwoch. Walter gilt als besonders „wirtschaftsnah“ und Favorit des rechten SPD-Flügels. Mit ihm an der Spitze der Hessen-SPD würden sich die Wirtschaftseliten viel eher arrangieren als mit Ypsilanti. So legte der konservative Wiesbadener Kurier schon in der Freitagsausgabe des Blatts der SPD nahe, die Führung auszutauschen: „Der nicht mit dem Odium des Wortbruchs belastete Rivale Jürgen Walter dürfte weit besser geeignet sein, neue Koalitionslösungen für Hessen zu suchen“, heißt es in dem Blatt. Auch die meisten anderen Medien trommelten für einen Abgang Ypsilantis von der politischen Bildfläche und fordern den Kopf des Bundesvorsitzenden Kurt Beck gleich mit, weil er für das Chaos mit verantwortlich sei.

SPD-Schulterschluss

Metzgers Ankündigung sorgte an der SPD-Basis für Empörung. „Wir erwarten von allen sozialdemokratischen Landtagsabgeordneten und damit auch von Dagmar Metzger, dass sie Andrea Ypsilanti zur Ministerpräsidentin wählen“, forderte der Vorstand der SPD-Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen (AfA) in Darmstadt in einer einstimmig verabschiedeten Erklärung. Zentrales Wahlversprechen der SPD sei die Abwahl der Regierung Koch, die Wahl von Andrea Ypsilanti zur neuen Ministerpräsidentin und die Durchsetzung eines echten Politikwechsels in Hessen gewesen. „In allen zentralen landespolitischen Fragen gibt es zu einer Zusammenarbeit von Rot-rot-grün inhaltlich keine Alternative“, so die sozialdemokratischen Gewerkschafter. Dies gelte für die Abschaffung der verfassungswidrigen Studiengebühren ebenso wie für die Themen Bildung, Arbeit und Ausbildung, Arbeitnehmerrechte, soziale Gerechtigkeit, erneuerbare Energien, Vermögenssteuer und Mindestlohn“, erklärte der örtliche AfA-Vorsitzende und DGB-Sekretär Horst Raupp. Die allermeisten sozialdemokratischen Gewerkschafter denken ähnlich.

Der rechte SPD-Flügel, der sich auch in Hessen auf viele Landtags- und Bundestagsabgeordnete, Landräte und Bürgermeister stützt, hatte darauf gesetzt, nach einem schlechten Wahlergebnis Ypsilanti wieder absägen zu können. Doch dafür war das Ergebnis zu gut, zumal noch Ende 2007 kaum jemand erwartet hätte, dass die SPD die bisher allein regierende CDU in Hessen einholen könnte. Metzgers Ausscheren hätte – so die Kalkulation der Bürgerlichen – den Anstoß bilden können, um Ypsilanti ein abruptes Ende ihrer Karriere zu bereiten. Doch bei der Krisensitzung der SPD-Spitzengremien am 8. März blieb der von Koch und Kapital erhoffte Aufstand des Jürgen-Walter-Flügels aus. Nach einer stundenlangen Diskussion zeigte sich die von allen Seiten heftig kritisierte Dagmar Metzger eher reumütig und kleinlaut. Niemand wollte sich neben ihr als möglicher „Abweichler“ outen. Dies wäre in dieser Situation wohl auch politischer Selbstmord gewesen. Vielleicht plagte den einen oder anderen Abgeordneten auch ganz vordergründig die Angst, in vorgezogenen Neuwahlen mit einem Spitzenkandidaten Jürgen Walter das eben erworbene Direktmandat wieder zu verlieren. Oder die Erwartung, dass die LINKE dann verunsicherte SPD-Wähler anziehen und kräftig zulegen könnte. Oder beides und die Angst vor einer Spaltung oder Implosion der Sozialdemokratie.

So erfolgte die politische und persönliche Loyalitätsbekundung für Ypsilanti, die sich zu ihrem Ziel eines „Politikwechsels“ in Hessen bekannte, einstimmig. Wie lange diese „Rückendeckung“ anhält und ob rechte Sozialdemokraten wie Jürgen Walter und etliche andere, die eine Große Koalition mit der CDU einer Minderheitsregierung vorzögen, nun ihre Bedenken zurückstellen und Ypsilanti bei einem möglichen neuen Anlauf in die Staatskanzlei stützen, muss sich zeigen.
Die LINKE jedenfalls kann von dieser Situation profitieren. Während eine Abweichlerin in der SPD bewusst in Kauf nahm, dass durch ihre Nein-Stimme Koch über den 5. April hinaus weiter in der Staatskanzlei residiert und somit die aktuelle Krise auslöste, kann die hessische LINKE, deren sechs Abgeordnete im Landtag für eine Wahl Ypsilantis zur Ministerpräsidentin entscheidend wären, glaubhaft versichern: An uns wäre es nicht gescheitert. An uns würde es auch bei einem neuen Anlauf nicht scheitern. Die SPD muss mit den bürgerlichen U-Booten und Saboteuren in den eigenen Reihen aufräumen.

Hessische Lehren

Die Entwicklung der letzten Tage ist auch ein Lehrstück in Sachen Medienmanipulation in der bürgerlichen Demokratie. Eine unheilige Allianz von Koch und Kapital bis weit in den SPD-Apparat hinein möchte offenbar das Experiment einer von der LINKEN mit gewählten „rot-grünen“ Regierung Ypsilanti verhindern. Natürlich würde eine solche Regierung den Kapitalisten nicht gefährlich werden. Sie wäre allerdings ein wichtiges Signal, dass ein Reaktionär wie Koch und seine rechtslastige Hessen-CDU abgewählt werden können und dass sich in diesem Lande noch etwas bewegen kann. Eine Ermunterung also für soziale und kritische Bewegungen und Kräfte. Allein schon eine hessische Bundesratsinitiative für einen gesetzlichen Mindestlohn würde die Frage aufwerfen: Warum haben das nicht andere SPD-geführte Bundesländer schon längst getan?

Die Medienpropaganda der letzten Tage zeigt, was für ein Gegenwind nach dem Antritt einer etwas linkeren sozialdemokratischen Regierung zu erwarten ist. Koch und Co. klammern sich an ihre Posten. Das Kapital wurde in neun Jahren Koch verwöhnt. Koch und Kapital würden – sobald sie aus ihren Sesseln verdrängt sind – als Fundamentalopposition mit allen Mitteln und im Schulterschluss mit Unternehmerverbänden, Medien und gesellschaftlichen Stützen reaktionärer Kräfte alles daran setzen, die ungewollte Regierung zu destabilisieren und zu sprengen. Die reformistischen Halbheiten und Zögerlichkeiten sozialdemokratischer Funktionäre könnten ihnen dabei in die Hände spielen.

Viele kritische SPD-Mitglieder, Gewerkschafter, Erwerbslose, Studierende und sozial engagierte Menschen sehnen ein rasches Ende der Regierung Koch herbei und sehen sich durch Dagmar Metzger um diese Chance geprellt. Sie sind gut beraten, wenn sie den Konflikt auf die Straße und in die Betriebe tragen und die Mobilisierungen fortsetzen, denn einen wirklichen Politikwechsel bekommen wir nicht allein mit dem Stimmzettel, sondern durch Druck von unten.
Hessen steht vor spannenden Wochen und Monaten. Es ist etwas in Bewegung geraten. Bleiben wir wachsam! Die alten Kräfte, Koch und Kapital, werden nicht kampflos weichen. Aber wir müssen sie überwinden, wenn wir uns eine bessere Zukunft aufbauen wollen.

aus: www.derfunke.de

09
Mär

Die USA – Der Krieg, die Wirtschaft und die Wahlen

Workers International League

 

Vor fast fünf Jahren marschierten US-amerikanische Truppen in den Irak ein. Man wird schwindlig bei dem Gedanken, wie viele Menschenleben, wie viel Leid und wie viele ökonomische Ressourcen dieser Krieg gekostet hat. Nach Schätzungen des Pentagon sind 37.500 Zivilisten im Irak getötet worden. Ein unabhängiges Meinungsforschungsinstitut setzt die Zahlen 32 Mal höher, bei einer Million, an. Fast 4000 US-Soldaten wurden getötet und 30.000 weitere erlitten teils schwere Verwundungen wie Hirnschäden oder mussten amputiert werden. Dies ist nur die Spitze des Eisbergs und berücksichtigt nicht die langfristigen Auswirkungen von abgereichertem Uran, posttraumatischen Stresssyndromen, Depressionen und Selbstmordversuchen usw.

 

Die Kriege im Irak und in Afghanistan kosten täglich jeweils $ 275 Millionen. Bisher sind fast eine Halbe Billion Dollar ausgegeben worden, 4.100 Dollar pro Haushalt in den USA. Laut eines kürzlich veröffentlichten Berichts des Congressional Research Service (CRS) sind die monatlichen Kosten von $ 4,4 Milliarden im Jahre 2004 auf $10,3 Milliarden 2007 angestiegen. Bis Ende 2009 könnten sich die Kosten für die Kriege im Irak und in Afghanistan auf 1 Billion Dollar belaufen.

 

Sogar ein reiches Land wie die USA kann diese Kosten nicht ewig aushalten. Jeder Dollar, der für die Kriege ausgegeben wird, fehlt im eigenen Lande für das Gesundheits- und Bildungswesen, günstige Wohnungen, Arbeitsplätze oder die Wiederherstellung der maroden Infrastruktur. Die Auswirkungen der Kriege werden in den USA selbst deutlich gespürt. Und das während eines so genannten wirtschaftlichen Aufschwungs.

 

Die offiziellen Erklärungen , dass das Land in eine Rezession eingetreten sei, kommen normalerweise erst Monate nachdem diese begonnen hat, wenn die Analysten des National Bureau of Economic Research (NBER) – einer private Forschungsorganisation, die sich dem Studium von Theorie und Empirie der Ökonomik widmet – die Fakten und Zahlen auswerten. Aber führende Ökonomen der wichtigsten Wall-Street-Investmentbanken, wie Merrill Lynch und Goldman Sachs, glauben dass bereits ein Wendepunkt in Richtung Rezession erfolgt ist.

 

Die Arbeitslosigkeit stieg im Dezember 2007 auf 5 Prozent an, während sie im März noch auf einem zyklischen Tief von 4,4 Prozent gelegen hatte. Das wirtschaftliche Wachstum verlangsamte sich im vierten Quartal 2007 und stieg nur um 0,6 %. Das gesamte Wachstum des Jahres betrug nur 2,2%, das schlechteste Ergebnis seit 2002. Noch nie hat solch ein starker Anstieg bei der Arbeitslosigkeit kombiniert mit einem derart geringen Wachstum in den letzten 60 Jahren nicht zu einer Rezession geführt.

 

Die Immobilien- und Kreditkrise hat begonnen, sich auf weite Teile der Wirtschaft auszudehnen. Die Zahlungseinstellungen für Kredite mit flexibler Verzinsung, die 2007 abgeschlossen wurden, beliefen sich im November auf 11,2 %, doppelt so viele wie im Jahre 2006. Betroffen davon sind 300.000 Haushalte, jedoch werden als Folge dieser Krise sicherlich noch mehr Menschen ihre Häuser verlieren. Die Investitionen in neue Wohnungsprojekte gingen 2007 um 16,9 % zurück, der schlimmste Rückgang seit 25 Jahren. Zusätzlich fiel nach Berichten von Reuters der Dienstleistungsbereich, der zwei Drittel der wirtschaftlichen Aktivitäten in den USA ausmacht, im Januar auf ein Niveau zurück, das man in der Rezession im Jahre 2001 zuletzt erlebt hatte. Der von Reuters und der Universität von Michigan ermittelte Konsumklima-Index fiel von 78,4 im Januar 2008 auf 69,6 im Februar und erreichte damit die niedrigsten Werte seit Februar 1992. Der Index war nur während der Rezessionen Mitte der 1970er, zu Beginn der 1980er und 1990er so niedrig.

 

Der Index des Instituts für Beschaffungsmanagement für den nicht produzierenden Sektor stürzte von 54,4 im Dezember 2007 auf 41,9, wobei ein Wert von unter 50 auf einen Abschwung hinweist. Der Beschäftigungsindex fiel von 51,8 auf 43,9 und untermauert damit den Einkommensbericht vom Januar, der den ersten Rückgang der monatlichen Nettoeinkünfte auf dem Arbeitsmarkt seit mehr als vier Jahren aufwies. Es ist momentan schwer genau vorherzusagen, wie schwer diese Krise sein und wie lange sie dauern wird, viele Millionen amerikanischer ArbeiterInnen verspüren bereits jetzt ihre Auswirkungen.

 

Das hat schon zu sinkenden Steuereinnahmen für die Regierung geführt, aber Bush hat einen Haushalt aufgestellt, der erstmals in der Geschichte der USA drei Billionen Dollar beträgt. Nach Bushs eigenen Schätzungen wird das 2008 zu einem Haushaltsdefizit von 410 Milliarden Dollar und 2008 von 407 Milliarden Dollar führen und somit das Gesamtdefizit des Staates von $ 3,3 Billionen, als er das Präsidentenamt übernahm, auf $ 5,9 Billionen erhöhen. $ 2,3 Billionen davon sind Schulden bei ausländischen Banken und Investoren.

 

Das geplante Budget würde die Militärausgaben und die militärische Hilfe für die “Hauptverbündeten” auf der ganzen Welt, d.h. von Ländern, die ihre eigene Bevölkerung unterdrücken, um die Interessen der US-Konzerne zu verteidigen, dramatisch steigen lassen. Um das alles finanzieren zu können, wird die Regierung Programme im eigenen Land wie Medicare, die schon stark beschnitten wurden, weiter kürzen und Dutzende sozialer Dienstleistungen abschaffen.

 

Es ist keine Überraschung, dass der Haushalt dem Verteidigungsministerium 515 Milliarden Dollar zuweist, darin sind die Anforderungen weiterer Milliarden für die Kriege im Irak und in Afghanistan nicht enthalten. Inflationsbereinigt wird das der größte Militärhaushalt seit dem 2.Weltkrieg sein. Es handelt sich hierbei um einen “Kanonen statt Butter”- Haushalt, eine offene Deklaration für steigenden Militarismus im Ausland und einen weiteren unerbittlichen Angriff auf die ArbeiterInnen im eigenen Land. Die herrschende Klasse in den USA erwartet vom nächsten Präsidenten, unabhängig davon ob er Republikaner oder Demokrat ist, die gleichen rücksichtslosen Kürzungen.

 

Was das Ganze noch schlimmer macht, Bushs Notfallprogramm gegen die Rezession sieht u.a. $ 300 Millionen für arme Kinder in den ärmeren Vierteln der Großstädte vor, nur etwas mehr als die täglichen Ausgaben für die Kriege im Irak und in Afghanistan. Und wenn man dann folgende Rechnung macht: 300 Millionen Dollar geteilt durch 15 Millionen Kinder, die in Armut leben, erhält man den Riesenbetrag von 20 Dollar pro Kind.

 

Das alles hat natürlich Einfluss auf das Bewusstsein der AmerikanerInnen. In einem Wahljahr halten viele Menschen nach einer Lösung ihrer ernsthaften und wachsenden Probleme durch die Wahl Ausschau. Während der Irak-Krieg immer noch eine wichtige Bedeutung hat, ist die wirtschaftliche Entwicklung bei den WählerInnen beider Parteien von höchster Priorität. Vor allem viele Jugendliche wenden sich den Demokraten und hier besonders Barack Obama zu. Der vermutliche Kandidat der Republikaner John McCain hat seine gesamte politische Zukunft auf die Weiterführung des Irak-Krieges gesetzt. Aber werden die beiden Kandidaten der Demokraten auch nur annähernd die Forderung der Mehrheit der AmerikanerInnen nach sofortigem Abzug der Truppen erfüllen?

 

Trotz aller schön klingenden Wahlversprechen zeigen die Erfahrungen der letzten Fünf Jahre, dass wir uns bei der Beendigung des Krieges weder auf die Republikaner noch die Demokraten verlassen können. Deshalb arbeitet die Workers International League (WIL) – die amerikanische Sektion der Internationalen Marxistischen Tendenz – in einer großen Koalition von Organisationen und Individuen, um eine breite, vereinigte und demokratische Antikriegs-Bewegung zu errichten, die das Ziel hat, in den nächsten Monaten und Jahren Massendemonstrationen zu organisieren. Wir müssen auch energisch an der Schaffung einer politischen Alternative zum Duopol der Demokraten und Republikaner, einer Massenpartei der ArbeiterInnen, arbeiten. Massenmobilisierungen und die Errichtung einer ArbeiterInnen-Partei sind der einzige Weg den Krieg zu stoppen und unsere Lebensbedingungen zu verbessern.

 

In einer Epoche wachsender Polarisierung und Ungleichheit wird der nächste Präsident zwangsläufig zur “Einheit” der Nation und der beiden großen Parteien aufrufen. Mit anderen Worten, er oder sie wird die amerikanischen ArbeiterInnen aufrufen, ihre Interessen den Interessen der Reichen unterzuordnen, um die Gürtel enger zu schnallen und das System, das den Profit durch ihre Arbeit erwirtschaftet, zu erhalten. Da aber der “amerikanische Traum” fortwährend zu einem “amerikanischen Albtraum” wird, werden immer mehr Menschen eben dieses System, das stets krisenanfälliger wird, in Frage stellen.

Übersetzung: Tony Kofoet

06
Mär

Was bewirkt Schwarz-Grün?

Interview mit dem Parteienforscher LöscheSchwarz-Grün ist erst der Anfang eines großen Umbruchs im Parteiensystem, sagt der Politologe Peter Lösche im tagesschau.de-Interview. Er sieht bereits eine neue Entwicklung heraufziehen: das Erstarken des rechten Randes als langfristige Reaktion auf den Linksruck aller Parteien.

tagesschau.de: Eine schwarz-grüne Koalition auf Landesebene wird durch die Verhandlungen in Hamburg immer wahrscheinlicher. Steht dadurch ein Umbruch mit großen Folgen für das politische System bevor?


Peter Lösche: Es ist eine ganz plausible und logische Entwicklung, aber noch kein Endpunkt. Wenn man sich die Programmatik der beiden Parteien ansieht, sind sie in den letzten anderthalb Jahrzehnten aufeinander zugegangen. Die CDU spricht in einem Programmpapier von 1994 bereits vom ökologischen und ökonomischen Umbau unserer Gesellschaft. Das klingt sehr grün, kommt aber von schwarzer Seite. Also: Keine Überraschung!

tagesschau.de: Müssen sich die Wähler jetzt dauerhaft daran gewöhnen, dass man die Wahl einer Partei nicht mehr mit einem Lagerwunsch verbinden kann?


Lösche: Die Lager lösen sich zwar nicht auf, aber differenzieren sich aus. Die Grünen sind endgültig zu dem geworden, was sich seit längerer Zeit andeutete. Die sind nicht nur formal die Partei der Besserverdienenden, der sehr gut Ausgebildeten - die Grünen sind eine sozialliberale Partei. Wenn man das Spektrum des Parteiensystems zeichnet, sind sie irgendwo in der Mitte. Sie sind nicht mehr auf der linken Seite des Spektrums zu verorten, wie es früher hieß.

tagesschau.de: Welche Folgen hat das für die beiden anderen links der Mitte angesiedelten Parteien, wenn die Grünen jetzt einen Schritt Richtung CDU gehen?

Lösche: Die Grünen sind nicht der geborene Koalitionspartner, nicht mehr Fleisch vom Fleisch der SPD. Sie sind zu einer linksbürgerlichen Partei geworden, die koalitionsfähig ist mit der CDU. Gerade in Hamburg, wo die CDU relativ liberal auftritt und nicht rigide konservativ bis reaktionär wie in Hessen.

“Die Linkspartei nicht mystifizieren”

tagesschau.de: Die SPD verliert einen sicher gewähnten Wunschpartner, gleichzeitig wird die Linkspartei stärker. Ist damit die SPD der Hauptverlierer der neuen Entwicklung?

Lösche: Im Moment sieht es so aus. Aber wenn man genau hinschaut, sieht man, dass es auch Wählerbewegungen von der CDU, selbst von der CSU und von der FDP zur Linkspartei gibt. Außerdem darf man die Linkspartei nicht mystifizieren. Bei der letzten Bundestagswahl 2005 hatte sie 8,7 Prozent gewonnen. Geht man die Landtagswahlen durch, dann hat sie seitdem kontinuierlich verloren.

tagesschau.de: Halten Sie es dann für denkbar, dass die Linkspartei in ein, zwei Jahren kein relevanter Faktor im Parteiensystem mehr ist?


Lösche: Nein, die Linkspartei bleibt bestehen. Das liegt nicht zuletzt daran, dass sie ihre Kraftressource aus den neuen Bundesländern zieht. Sie ist dort in der Gesellschaft grasverwurzelt. In den alten Bundesländern ist sie ein Auffangbecken für Protestwahlverhalten, aber sie wird auch von enttäuschten Sozialdemokraten und Gewerkschaftsfunktionären getragen. Sie sehen die Partei als Instrument gegen die Agenda 2010. Sie dürfte also weiter Zulauf erhalten.

tagesschau.de: Damit wären Zweier-Koalitionen unwahrscheinlicher und neue Dreier-Konstellationen denkbar. Wie reagieren die Parteien darauf?

Lösche: Wenn es um das Gewinnen von Wahlen geht, positionieren sich die CDU und die Grünen richtig, indem sie deutlich machen, dass sie miteinander koalitionsfähig sind - selbst wenn die Koalitionsverhandlungen in Hamburg scheitern sollten. Die SPD musste sich gegenüber der Linkspartei öffnen. Allerdings nicht so, in der es geschehen ist, sondern argumentativer und über einen längeren Zeitraum. Welche Veränderungen es im Parteiensystem gibt, sieht man am Wehklagen des FDP-Vorsitzenden Guido Westerwelle, der plötzlich seines Koalitionspartners CDU nicht mehr sicher ist. Auch von der FDP aus wird es demnächst Offerten Richtung SPD geben.

“Die Rechte wird stärker werden”

tagesschau.de: Sie sagten, Schwarz-Grün sei noch kein Endpunkt der Entwicklung. Womit rechnen Sie noch?

Lösche: Mittelfristig könnte sogar eine sechste Partei entstehen. Wir wissen seit längerer Zeit, dass es ein rechtspopulistisches, rechtsextremistisches Potenzial von etwa zehn bis zwölf Prozent der Wähler gibt.

tagesschau.de: Das im Moment eher ruhig ist.

Lösche: Das liegt daran, dass die NPD einige Probleme mit ihrer Organisation und mit der Parteienfinanzierung hat. Aber man darf nicht übersehen, dass DVU und NPD in einigen Landtagen sitzen. Abgesehen davon sind sie auf der lokalen Ebene fest verwurzelt. Daraus könnte durchaus eine erfolgreiche rechtspopulistische Partei werden, so dass wir es dann mit einem Sechs-Parteien-System zu tun haben.

Das würde auf den ersten Blick bedeuten, dass es wieder zwei Lager gäbe. Aber man darf sich nicht täuschen lassen: Es wird sich nicht die alte Lagermentalität wiederherstellen, sondern die Koalitionsfähigkeit zwischen Grün und Schwarz und dann auch zwischen SPD und FDP dürfte das gesamte Parteiensystem verändert haben.

tagesschau.de: Am Beispiel Hessen zeigt sich, dass nun unklare Mehrheiten entstehen. Sehen Sie darin eher eine Gefahr oder eine Chance?

Lösche: Wir sind verwöhnt durch eine ungeheure Stabilität in unserem Parteiensystem. Auch die Entstehung der Grünen hatte daran nicht soviel geändert. Jetzt sind wir in einer neuen Phase mit größerer Instabilität. Koalitionen sind schwieriger zu schließen.

tagesschau.de: Fällt damit nicht auch das Regieren selbst schwerer?

Lösche: Die Instabilität trifft auch das parlamentarische Regierungssystem. Bei einer Minderheitsregierung ist nicht der Wahlakt des Ministerpräsidenten entscheidend, sondern wie die Gesetzgebung laufen wird: Wie wird das wichtigste Gesetz, der Landeshaushalt, mit nicht sicheren Mehrheiten verabschiedet werden?

Brauchen wir ein neues Wahlrecht?

tagesschau.de: Kann man mit einer Minderheitsregierung überhaupt regieren?

Lösche: Das ist, wie andere Länder zeigen, durchaus ein gangbarer Weg. In Neuseeland zum Beispiel gibt es seit mehr als einem Jahrzehnt eine Minderheitsregierung. Es hängt davon ab, wie kooperationsfähig die Parteien untereinander sind. Wenn sie ideologische Schlachten gegeneinander schlagen, wird man im Gesetzgebungsverfahren keine Kompromisse finden. Unsere Parteien, einschließlich der Linken, sind in das parlamentarische Regierungssystem hineinsozialisiert. Sie wissen mit einer Minderheitsregierung umzugehen, deswegen halte ich tragfähige Kompromisse für möglich.

tagesschau.de: Der ehemalige Bundespräsident Roman Herzog fordert eine neues Wahlrecht. Sehen Sie dort Handlungsbedarf?

Lösche: Ich würde dringend davon abraten, mit Hilfe des Wahlrechts stabile Mehrheiten herzustellen. Das Ganze würde als Manipulationsversuch der beiden großen gegen die drei kleinen Parteien gesehen werden.

Das Interview führte Corinna Emundts, tagesschau.de

http://www.tagesschau.de/inland/interviewloesche2.html

02
Mär

Garrelt Duin - wer ist das?

Garrelt Duin – who the f..k is Garrelt?

 

Der niedersächsische Landesvorsitzende der SPD Garrelt Duin hat am Montag vergangener Woche als einziger gegen den Beschluss zum Umgang mit der Linken gestimmt. Eigentlich konsequent, denn Duin gehört zu den Schröderianern in der SPD, die unbedingt an Hartz IV und der Agenda 2010 festhalten, sprich die “Reformen” aus der “Rot”-Grünen-Koalition jetzt mit der CDU 1:1 umsetzen wollen. Aus dem desaströsen Abschneiden seiner Partei in Niedersachsen hat der Betonkopf Duin nicht viel gelernt.

 

Als sich die niedersächsische SPD im Wahlkampf auf sozialdemokratische Parolen besann und mehr soziale Gerechtigkeit einforderte, wurde ihr das von den WählerInnen nicht abgenommen, hatte doch die Partei gerade durch den Einstieg in die Zerschlagung des Sozialstaates dafür gesorgt, dass immer mehr Menschen den sozialen Abstieg erleben mussten. Im Langzeitgedächtnis der von Hartz IV, Arbeitslosigkeit und Altersarmut Betroffenen sind die Namen Schröder, Eichel, Clement und Steinbrück und ihrer grünen Helfershelfer mit der größten Umverteilung von unten nach oben in der Geschichte der BRD für immer verbunden. Wenn Duin heute fragt: “Was können wir dem Normalbürger anbieten, der nicht von Mindestlohn und nicht von Hartz IV und nicht von Arbeitslosengeld I betroffen ist, der aber gerade an die Sozialdemokratie der Erwartung hat, dass eine Politik gemacht wird, die sich auch bei ihm oder bei ihr spürbar positiv bemerkbar macht. Das haben wir meines Erachtens in der Vergangenheit vernachlässigt”, dann hat er immer noch nicht kapiert, dass diejenigen, die einen Beruf haben und ihre Beiträge in die Sozialkassen zahlen, genauso von der neoliberalen Politik der Regierungen Schröder und Merkel betroffen sind, wie die Arbeitslosen. Die Einkommen der Mehrheit unserer Bevölkerung ist in den letzten zehn Jahren kaum gestiegen, die Preise für Lebensmittel, Energie u. a. aber ständig angehoben worden, so dass der Lebensstandard von Jahr zu Jahr gesunken ist. Auf der anderen Seite haben die Transnationalen-Konzerne riesige Gewinne eingefahren, die durch die Steuergesetzgebung der SPD-Grünen-Regierung ab 2001 zusätzlich begünstigt wurden.

 

Wenn Duin die Mitte erreichen will, meint er eigentlich, die SPD muss die Schrödersche Politik fortsetzen und den Großkonzernen die besten Möglichkeiten schaffen, in der BRD Maximalprofite zu erwirtschaften und dabei – wie in der letzten Woche von BMW, Telekom, Siemens, Henkel, WestLB und anderen angekündigt – trotz immenser Gewinne, Arbeitsplätze vernichten.

 

Saarlands SPD-Landesvorsitzender Maas widerprach den Duins in der SPD-Führung: “Wenn die Mauer in den Köpfen noch nicht gefallen ist und wenn man Berlin für eines der neuen Bundesländer hält, dann geht das. Aber nur dann”, spottete er. Es den Landesverbänden selbst zu überlassen, welche Koalitionen sie eingehen, sei eine Selbstverständlichkeit.”

 

Garrelt Duin hat eine Woche lang im Rampenlicht gestanden, obwohl er eigentlich immer noch nicht kapiert hat, dass mit der Schröderschen “Sozial”politik kein Blumentopf zu gewinnen ist. Erst wenn die SPD wieder anfängt, sich auf sozialdemokratische Tugenden zu besinnen, kann sie vielleicht einen Teil ihrer Wähler, vor allem die Nichtwähler, zurückgewinnen. Duin steht nicht für einen glaubwürdigen Umbruch.

 

(Tony Kofoet)




März 2008
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